"Passion & Young Blood"

Zurich Film Festival - Retrospektive Rainer Werner Fassbinder.

Rainer Werner Fassbinders beschreibt seinen Schaffensdrang als "eine Art Krankheit" oder "den Versuch mit dieser Krankheit fertig zu werden, einer Art Geisteskrankheit". In der Tat verflossen Leben und Arbeit Fassbinders zu einer untrennbaren Einheit und widerspiegeln die Leidenschaftlichkeit und künstlerische Besessenheit seiner Persönlichkeit.

Kaum ein Regisseur entspricht dem diesjährigen Motto "Passion & Young Blood" mehr als Fassbinder. 44 Filme in 14 Jahren sprechen für sich. Zum 60. Geburtsjahr Fassbinders zeigt das "1. Zurich Film Festival" in einer Retrospektive rund 20 seiner Filme, darunter Werke, die in der Schweiz ganz selten auf der Kinoleinwand zu sehen waren und führt in Zusammenarbeit mit dem Theater am Neumarkt eine szenische Vorlesung des Stückes "Werwolf" auf.

Die Retrospektive im Kino Plaza

Fassbinder war die dominierende künstlerische Persönlichkeit des Neuen Deutschen Films. Er liess sich nie für etwas einspannen, lebte nur für seine Idee und vermittelte so auf unterschiedliche Art und Weise zwischen Avantgarde und Konvention. Seine Melodramatik, die Emotion und das Kalkül, die Wahrnehmungssensibilität und handwerkliche Perfektion machen seine Werke wie sie sind: eigen, provokant und unvergesslich.

Das "1. Zurich Film Festival“ hat die seltene Gelegenheit alle Folgen der fünfteiligen Fernsehserie „Acht Stunden sind kein Tag“ zeigen zu können und bietet dem Publikum in der Schweiz die Möglichkeit diese und andere Raritäten Fassbinders, wie "Pioniere in Ingolstadt“ und "Die Niklashauser Fahrt“ zum ersten Mal auf der Kinoleinwand zu sehen.

Fassbinders Werwolf

Im Rahmen der Retrospektive inszeniert Sophie Stierle mit 4 Schauspielern des Ensembles eine szenische Lesung des Stücks "Werwolf“, das Fassbinder 1969 zusammen mit Harry Baer schrieb. Die junge Regisseurin inszeniert "Werwolf“ vor dem Hintergrund der Geschichte des "antitheaters“.