Herr Heinzelmann, herzliche Gratulation zu 30-jährigen Jubiläum von Teleclub. 1984 starteten Sie als erster Sender in Europa mit einem analogen Pay-TV-Programm, das über Satellit empfangen werden konnte. Warum übernahm gerade ein Schweizer Fernsehsender diese Pionierrolle?
In dieser Zeit kam das Pay-TV in den Vereinigten Staaten auf. Die Geschäftsidee wurde als attraktiv empfunden und aufgegriffen. Der schweizerische Fernsehmarkt eignete sich für diese Pionierleistung aufgrund seiner kleinen, geografischen Ausdehnung sowie der Verbreitungsinfrastrukturen. Zudem sind Schweizer Konsumenten generell offen gegenüber technischen Neuerungen.
Wird es für einen Pay-TV-Sender in einem Umfeld, das sich verstärkt auf Gratisinhalte fokussiert, nicht immer schwieriger, seine Leistungen anzubieten?
Hier muss ich etwas ausholen: Teleclub ist ja nicht nur ein Pay-TV-Sender, sondern Betreiber einer ganzen Pay-TV-Plattform. Diese umfasst einerseits exklusive, in der Schweiz veranstaltete Spielfilm- und Sportprogramme, aber auch von anderen ausländischen Veranstaltern produzierte Spielfilm-, Serien- und Doku-Kanäle. Die Schweiz stellt nun mal einen sehr kleinen Fernsehmarkt dar, der zudem noch in verschiedene Sprachgebiete gegliedert ist. Hinzu kommt, dass unzählige Fernsehprogramme aus dem benachbarten Ausland empfangen werden können. Für Teleclub war es deshalb schon immer die zentrale und schwierige Aufgabe, sich mit einem eigenen Angebot in diesem kleinen Fernsehmarkt zu behaupten.
Das Umfeld hat sich insbesondere im Bereich der Technik verändert. Während man in der Schweiz allgemein noch darüber rätselte und philosophierte, ob und wie man digitales Fernsehen anbieten möchte, handelte Teleclub. So rüstete der Sender sämtliche Abonnenten mit einer auf die schweizerischen Bedürfnisse zugeschnittenen, spezifisch für Teleclub entwickelten digitalen Set-Top-Box aus. So waren wir imstande, 17 statt nur einem Programm anbieten zu können - eine weitere Pionierleistung. Mit dem Launch der IPTV-Plattform von Swisscom boten sich für unseren Pay-TV-Plattformbetreiber weitere attraktive Möglichkeiten. Das "Abruf-Fernsehen" konnte nun auf dem "Big Screen" etabliert werden. Mit den zwei Services "Teleclub on Demand" und "Teleclub Sport Live" bieten wir ein Video-on-Demand-Angebot in den verschiedenen Landessprachen und unzählige Live-Sportübertragungen an.
Ich bin davon überzeugt, dass man sich künftig nicht verstärkt auf Gratisinhalte fokussieren wird. Ich gehe eher davon aus, dass sich der Fernsehkonsument daran gewöhnt, dass er Fernsehinhalte wann und wo er es will konsumieren möchte. Ausserdem ist der Konsument immer weniger gewillt, sich durch Werbeunterbrechungen stören zu lassen. Durch die veränderten Sehgewohnheiten werden sich auch die Finanzierungsmodelle der Veranstalter ändern. Pay-Inhalte werden in Zukunft eine grössere Bedeutung erlangen, weil sich die Veranstalter anders finanzieren müssen und der Konsument bereit ist, für seinen individualisierten und werbefreien Fernsehkonsum zu bezahlen.

Sie bieten Ihren Abonnenten mittlerweile rund 5’000 Sportveranstaltungen an. Welche Bereiche decken Sie heute ab?
Unser Sportangebot ist in seiner Ausgestaltung tatsächlich einzigartig. Dieses umfasst nicht nur die nationalen Fussball- und Eishockey-Ligen der höchsten beiden Spielklassen, sondern auch verschiedene internationale Ligen wie etwa die Bundesliga, die Serie A aus Italien, die Premier League aus England sowie die UEFA Champions und Europa League. Daneben kommen die Formel-1-Begeisterten ebenso auf ihre Kosten, wie diejenigen, welche sich für die grossen Golf-Turniere interessieren. Seit Neuestem können zudem Tennis-Fans nicht nur Ausschnitte oder vereinzelte Übertragungen von Finalspielen von internationalen Turnieren ansehen, sondern das Geschehen über ein ganzes Turnier hinweg live mitverfolgen.
Wie viele zahlende Abonnenten haben sie momentan?
Zu Zahlen zu unserem Geschäft geben wir aus grundsätzlichen Überlegungen nichts bekannt. Es gilt aber zu beachten, dass wir eben nicht mehr nur ein lineares Pay-TV-Angebot ermöglichen, sondern eben auch ein VOD- und Pay-Per-View-Angebot. Im vergangenen Jahr, so hat Swisscom kommuniziert, wurden über diese beiden Services auf der Swisscom-TV-Plattform über 8,8 Millionen Abrufe getätigt, was nicht nur die grosse Resonanz bei den Zuschauern, sondern auch die erreichte Reichweite eindrücklich bestätigt.
Wie viele Mitarbeiter beschäftigt Teleclub?
Für die Teleclub AG und die Teleclub Programm AG arbeiten gegenwärtig rund 230 Personen. An Wochenenden, an welchen es gilt, die zahlreichen Übertragungen aus den Schweizer Fussball- und Hockey-Ligen zu produzieren, stehen sogar mehr als 300 Personen im Einsatz.
Wo gibt es noch Wachstumsmärkte?
Wir beobachten nicht nur den Markt und die Kunden, sondern analysieren auch das Fernsehverhalten. Anhand dessen erkennen wir schnell, wo und in welchem Bereich Potentiale vorherrschen. Der heutige Fernsehkonsument erwartet je länger je mehr, dass er die Inhalte nicht nur dann konsumieren kann wann er möchte, sondern auch wo er möchte. Auch in dieser Hinsicht gibt es beträchtliches Potential.
Was bereitet Ihnen momentan am meisten Bauchschmerzen?
Bauchschmerzen habe ich wenig. Bereits vor mehr als zehn Jahren konnten wir im Rahmen der Digitalisierung unser Programmangebot gegen den grossen Widerstand der Kabelnetzbranche erweitern, die uns unser Geschäft streitig machen und es für sich beanspruchen wollte. Als wir beispielsweise vor ein paar Jahren prüften, in welche Richtung wir unser Produkte-Portfolio ausbauen könnten, kamen wir auf die Idee, die Spiele der höchsten Schweizer Fussball- und Eishockey-Ligen live zu übertragen. Diese Spiele wurden bis dahin nur vom Schweizer Fernsehen und nur in geringer Zahl übertragen. Die entsprechenden Übertragungsrechte lagen brach und wurden von niemandem sonst genutzt. Diese Spiele live zu übertragen bedeutete allerdings das "Auf-Sich-Nehmen" von grossen Investitionen und unternehmerischen Risiken. Teleclub nahm diese Risiken gemeinsam mit Swisscom auf sich. Über die Jahre konnten wir mit viel Aufwand, Herzblut und eben grossen Mitteln, ein attraktives Produkt schaffen. Wichtig ist, dass die Spiele sowohl auf den Kabelnetzen als auch auf der Swisscom IPTV-Plattform gezeigt werden.
Obwohl die Kabelnetzbetreiber früher nie auch nur das geringste Interesse an diesen Rechten gezeigt und sich vor den entsprechenden Risiken gescheut hatten, überschütten sie uns heute mit Vorwürfen, wir würden diese Inhalte monopolisieren und ihren Kunden vorenthalten. Die Vorwürfe sind falsch und die Vorgehensweise durchsichtig. Tatsächlich geht es diesen Exponenten der Kabelnetzbranche lediglich darum, dass sie diese von Teleclub gestalteten Sendungen und Übertragungen im Rahmen ihrer eigenen Pay TV-Produkte, die sie unabhängig von Teleclub verbreiten und vermarkten, anbieten möchten, ohne die wirtschaftlichen Risiken tragen zu müssen. Dass man auf diese Art und Weise auf dem Markt tätig ist, betrübt mich, entlockt mir aber auch ein Schmunzeln. Das zeigt doch, dass wir Erfolg haben.

Sie sind letztes Jahr mit einer People-Sendung mit Claudia Lässer gestartet. Wie ist die Resonanz auf diese neue Sendung?
Wir sind mit unserem neuen Format sehr zufrieden. Das Medienecho übertrifft unsere Erwartungen und immer wieder werden Geschichten oder Episoden aus den Sendungen von anderen Medien aufgegriffen. Dazu hat natürlich beigetragen, dass prominente Persönlichkeiten wie Ottmar Hitzfeld, Tommy Matter, Ralph Krüger, Xherdan Shaqiri oder Sonya Kraus in einem ganz anderen Rahmen zu ganz anderen Fragen Stellung nahmen, als ihnen sonst von Medien oder der Öffentlichkeit gestellt werden. Dass unsere Sponsoren ihr Engagement bereits jetzt verlängern möchten und sich prominente Persönlichkeiten mittlerweile darum "bewerben" eingeladen zu werden, spricht denn auch für sich.
Wie feiern Sie Ihren stolzen Geburtstag?
Das 30-Jahre-Jubiläum feiern wir mit unseren bestehenden Kunden. Wir haben diverse Massnahmen geplant, so etwa eine Jubiläumsausgabe unseres Teleclub Magazins im Mai, oder einen monatlichen Jubiläumswettbewerb mit tollen Preisen. Zudem zeigen wir "Homestories" von und mit Kunden, die uns seit dreissig Jahren die Treue halten und feiern mit diesen im Rahmen spezieller Events. Darüber hinaus versuchen wir natürlich, mit Jubiläumsangeboten neue Kunden zu gewinnen.
Fragen: Matthias Ackeret, Bilder: zVg.
Zeitstrahl: 30 Jahre Teleclub

