Peer Teuwsen kritisiert Schweizer Medien

"Zeit" - Journalisten sollen SVP-Themen ignorieren.

In seinem Artikel "Ein Fall von Demagogie", welcher in der aktuellen Ausgabe von der "Zeit" auf Seite 10 abgedruckt ist, kritisiert Peer Teuwsen Christoph Blocher. Dem SVP-Chefstrategen wirft er Demagogie vor. Er und seine Gefolgschaft würden mit ihrer Wortverdreherei Hass und Missgunst schüren. Über Blochers Motiv schreibt Teuwsen: "Es ist allein der böse Wille, der ihn leitet". Ausserdem beklagt sich Teuwsen über die Schweizer Medien, welche zusammen mit der SVP ein Klima geschaffen hätten, das niemandem nütze.

Weiter wundert sich der Korrespondent der deutschen Wochenzeitung darüber, wie ein ganzes Drittel der Schweizer Wähler Christoph Blocher unterstützen, also einen, der "offensichtlichen Fakten Gewalt antut, indem er sie zu seinen Gunsten zurecht beugt". Im letzten Abschnitt des "Zeit"-Artikels warnt Teuwsen vor einer Erosion der politischen Kultur in der Schweiz. Problematisch sei, dass man sich in der Schweiz an den Stil der SVP gewöhne und dass somit Kritik an der hiesigen politischen Kultur fast nicht mehr stattfinde. Schliesslich fordert Teuwsen, dass Politiker fähig werden, sich mit ihren Argumenten an einen Tisch zu setzen, ohne dass man sich im Vorfeld schon verhöhnt hat. Denn: "Es geht auch um die Form, nicht nur um den Inhalt."

Herr Teuwsen, Sie fordern in Ihrem Text, "dass sich die Politiker mit ihren Argumenten an einen Tisch setzen, ohne dass man sich im Vorfeld schon verhöhnt hat." Das tönt sehr idealistisch.

Es ist der Ton, der die Musik macht. Es mangelt in der Schweizer Politik an Respekt voreinander. Dies überträgt sich auf die Bevölkerung, die ebenfalls oft nur noch Spott und Hohn für die Politiker übrig hat. Dieser Teufelskreis beschädigt die Demokratie.

Bezöge man diesen "einen Tisch" auf die "Arena" im Schweizer Fernsehen, die momentan (noch) einzige und somit wichtigste TV-Polit-Show: Wie müsste diese Ihrer Meinung nach konzeptionell ausgestaltet sein?

Sie sagen es ja selbst, es ist eine "Show". Davon muss man wegkommen. Politik ist kein Entertainment.

Generell beklagen Sie, dass die wenigen Intellektuellen des Landes, die sich noch öffentlich äussern, Zielscheibe der Nationalkonservativen sind. Wen genau meinen Sie mit „ein paar wenigen Intellektuellen“?

Lukas Baerfuss, Adolf Muschg und Daniel de Roulet.

Sehen Sie konkrete Möglichkeiten, wie sich diese "wenigen Stimmen" besseres Gehör verschaffen könnten?

Sie tun, was sie können. Aber wenn man ihre Kritik als Landesverrat empfindet und nicht als Patriotismus, der sie ist, dann ist es schwer bis unmöglich. Dann ziehen sich viele zurück.

Das tönt sehr resigniert. Es muss doch Möglichkeiten geben?

Ich sehe nur eine Möglichkeit. Man muss die Themen der SVP wenn immer möglich ignorieren - und ihnen andere, relevantere entgegenstellen. Da aber fehlt es den Schweizer Medien oft an Kreativität.

Interview: Edith Hollenstein