Herr Sack, inwiefern unterscheidet sich die deutsche Ausgabe von der amerikanischen?
Wir definieren uns nicht über Abgrenzung zum amerikanischen Heft. Aber "Interview" Deutschland ist thematisch vielleicht ein wenig offener. So diskutieren in der ersten Ausgabe der Theaterregisseur René Pollesch mit dem Kulturwissenschaftler Thomas Macho über Niklas Luhmann und Lady Gaga, der Kriegsfotograf James Nachtwey zeigt seine Wahlheimatstadt Bangkok.
Inwiefern können Sie von Synergieeffekten mit der amerikanischen Ausgabe profitieren?
Wir profitieren von der grandiosen Geschichte des Magazins und können Geschichten aus dem amerikanischen Heft übernehmen.
Unser Gesprächspartner: Adriano Sack, Executive Editor bei der neu gegründeten deutschen Ausgabe von "Interview". Zuvor leitete er fünf Jahre lang das Kulturressort der "Welt am Sonntag". Das 2010 von ihm lancierte Magazin "I like my style" (basierend auf der gleichnamigen Online-Community) wurde Newcomer des Jahres beim Lead Award 2011.
Wie stark gehen Sie auf deutsche Themen ein?
So weit es Heftmischung und Relevanz erfordern. Wir haben uns keine Quote auferlegt und glauben auch nicht daran, dass Heftinhalte heute über Staatsgrenzen definiert werden.
Ganz generell: Wie kommen Sie an die hochkarätigen Interviewpartner ran?
Mit allen Tricks, die uns zur Verfügung stehen: über PR-Agenturen, persönliche Kontakte, Charme. Und hoffentlich mit einem Heft, das inhaltlich und visuell überzeugt.
"Interview" steht ja auch für das Konzept Star befragt Star. Wie findet man da die richtigen Kombinationen?
Ganz klassisch: Indem man über die Menschen, die man gern im Heft hätte, recherchiert und nachdenkt. Und dann Kombinationen findet, die die Stars und die Leser gleichermassen interessieren könnten. Irrtümer sind dabei vorgesehen und normal.
Der Chefredakteur: Jörg Koch arbeitete zuvor unter anderem für "Süddeutsche Zeitung", "Die Zeit" und "i-D Magazine". Im Jahr 2000 gründete er das in englischer Sprache erscheinende Avantgarde-Magazin "032c".
Und: Was macht man, wenn man merkt, dass ein Star schlecht im Fragen stellen ist? Greift man da ein? Ein Interview ist doch nur so gut wie sein Interviewer.
Manchmal greift man ein, manchmal lässt man Schwächen stehen. Perfektionsdrang macht unfrei.
Wann wollen Sie mit der deutschen Ausgabe schwarze Zahlen schreiben?
Das kann ich Ihnen als Executive Editor nicht beantworten. So weit ich weiss, haben wir einen ehrgeizigen Verleger.
Die Verleger: Vladislav Doronin, Gründer und Präsident der Moskauer Capital Group, und Bernd Runge, CEO von Phillips de Pury, einem der führenden Auktionshäuser der Welt. Runge wird das Unternehmen in Berlin als Verleger und Executive Chairman führen. Neben der russischen - die bereits Ende letzten Jahres lanciert wurde - und der deutschen Ausgabe sind weitere Ausgaben und Aktivitäten rund um die Marke Interview in Europa geplant, wie der Verlag im Vorfeld der Lancierung verlauten liess. In Deutschland geht "Interview" mit einer Auflage von 100'000 Stück an den Start.
Ihr Lieblingsbeitrag aus der ersten Ausgabe?
Natürlich das Editorial unseres Chefredakteurs Jörg Koch. Im Ernst: Welches Ihrer Kinder ist das schönste?
Ich habe keine Kinder. Was macht Lana del Rey zum Coverstar?
Sie sieht gut aus, sie ist kontrovers, ihr Aufstieg ging blitzschnell. Sie ist im besten, Warholschen, Sinne: Pop.
Welche deutschen Stars haben das Zeug zum Coverstar?
Das werden wir in den nächsten Monaten sehen. Viele Stars, die es glauben, haben es nicht. Aber es sind mehr, als man glaubt. Die Klagen über fehlenden deutschen Glamour kommen uns ältlich und verzagt vor.
Gibt es eine Frage, die man jedem stellen kann?
Wieviel Geld verdienen Sie?
Interview: Adrian Schräder