Als Monopolistin bei der Kino-Werbung ist Cinecom in einer vorteilhaften Position. Wie viel wirft das Unternehmen ab?
Cinecom ist ein Privatunternehmen, deshalb geben wir über Zahlen keine Auskunft. Die im heutigen Communiqué aufgeführten 70 Mio. Franken Nettoumsatz müssen vorderhand reichen, als börsenkotiertes Unternehmen wird die PubliGroupe inskünftig detaillierter informieren müssen. Mit nur einem Prozent Anteil am Werbemarkt kann man im übrigen nicht von "Monopol" sprechen.
Dennoch: Wenn die Cinecom im Kinoland Schweiz keinen grossen Gewinn abwerfen würde, müsste man am Management zweifeln. Warum verkaufen Sie eine solche Goldgrube?
Dass die Cinecom eine Goldgrube ist, behaupten Sie. -- Ich verkaufe, weil ich überzeugt bin, dass das langfristig eine gute Lösung ist. Die Partnerschaft mit der PubliGroupe wird zu einer wesentlichen Verstärkung der Cinecom führen.
Allerdings erfolgt diese Stärkung ohne Sie. Schmerzt das nicht?
Im Kopf habe ich schnell entschieden, im Herz zögerte ich. Jetzt stehe ich aber voll hinter dem Entscheid.
Wer ausser Ihnen und CEO Matthias Luchsinger hielt noch Aktien?
Verwaltungsrat Peter Bollmann.
Wie lange ist es denn her, dass PubliGroupe auf Sie zugekommen ist?
Ein paar Monate.
Im Januar kaufte Cinecom ihre Westschweizer Konkurrentin Mediavision. Gehörte das schon zu den "Hochzeitsvorbereitungen"?
Nein, sicher nicht, dazu bestand überhaupt keine Veranlasssung. Vielmehr befindet sich die Cinecom mit der Einführung der digitalen Werbung im Kino generell in einer Phase des totalen Umbaus. Zwar ist es im allgemeinen heikel, ein Unternehmen während einer Reorganisation zu verkaufen. In diesem Fall haben aber die grossen Vorteile dieser Lösung den Ausschlag gegeben.
Welches sind diese Vorteile?
Die langfristige Ausrichtung. Denn unter dem Dach der PubliGroupe kann man von Stabilität ausgehen, von Kontinuität und von langfristig guten Entwicklungsmöglichkeiten.
Solche Perspektiven hätten Sie nicht bieten können?
Das will ich nicht sagen. Aber manchmal ergeben sich eben Gelegenheiten, und das war jetzt eine für Cinecom. Den Zeitpunkt kann man sich nicht auswählen.
War diese Gelegenheit für Cinecom auch eine Gelegenheit für Sie?
Nur in dem Sinne als es auch gut war für Cinecom. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart.
Weshalb haben Sie Cinecom Austria nicht mitverkauft?
Das stand nicht zur Diskussion, weil PubliGroupe nur an der Schweiz interessiert war.
Gab es beim Verkauf noch andere Interessenten?
Die gibt es für so eine Firma immer, aber wir haben mit niemand anderem gesprochen. Weil wir in der guten Position waren, auslesen zu können, und weil wir grundsätzlich keinen Verkauf beabsichtigten, haben wir uns auf den besten Partner konzentriert.
Welche Rolle spielte bei Ihrem Entscheid der Preis?
Entscheide werden von verschiedenen Faktoren beeinflusst, und der Preis war einer davon, allerdings sicher nicht der ausschlaggebende.
Sie besassen Plakanda und verkauften sie an Clear Channel, sie übernahmen Cinecom von RMB und verkaufen sie nach drei Jahren bereits wieder. Was treibt Sie an?
Ich sehe mich als langfristigen Unternehmer, was ich bei Plakanda auch gezeigt habe. Im Fall von Cinecom hat sich eine Gelegenheit geboten, die ich nicht gesucht habe, bei der ich mich aber davon habe überzeugen lassen, dass sie gut ist. Dass mein Engagement hier kürzer war, ist eher ein Ausnahmefall.
Der Verkauf der Cinecom scheint Ihnen nicht leicht zu fallen. Weshalb haben Sie keine Anteile behalten?
Das ist für mich als Unternehmer nicht in Frage gekommen. Ich bin es gewohnt, Entscheide selber zu fällen. Eine Minderheitsbeteiligung wäre für mich mit Schwierigkeiten verbunden gewesen.
Wie selbständig konnten Sie bisher als VR-Präsident entscheiden?
Als Verwaltungsratspräsident und Besitzer übt man automatisch einen anderen Einfluss aus als einer, der einfach gewählt wurde.
Sie haben die operativen Geschicke also mitgeprägt?
Nein, die strategischen. Das Operative liegt bei der Geschäftsleitung.