Dass bei den Newsportalen zu viele Journalisten nur kurz bleiben und bei Gelegenheit rasch andere attraktive Stellenangebote annehmen, wo sie vertiefender arbeiten können, wird fürs Newsnet zunehmend zum Problem. Dies hat nun die Chefetage erkannt. Peter Wälty lässt von einem externen Marktforschungsunternehmen die Zufriedenheit seiner Mitarbeiter wissenschaftlich evaluieren und will daraus Verbesserungen der Arbeitsbedingungen erwirken. Die Resultate dürften auch für Konkurrenten interessant sein, die ähnliche Probleme kennen.
Hektischer Betrieb
Bereits Ende 2011 kam es beim Newsnet zu einem eigentlichen Exodus: Chefredaktor Peter Wälty musste mehrere Abgänge wichtiger Leistungsträger hinnehmen (persoenlich.com berichtete), zudem entbrannte in der Branche eine sehr engagierte, kontroverse Debatte über den Druck, die journalistische Qualität und das Arbeitsklima beim Newsnet.
Rund vier Monate später, muss Newsnet nun erneut sechs Abgänge hinnehmen (vgl. persoenlich.com). Zwar konnten neue Journalisten eingestellt werden, doch der ständige Wechsel führt zu Unruhe und kostet Ressourcen. Chefredaktor Peter Wälty vermutet die Ursachen im Stress, der den Newsjournalismus oftmals beherrscht: "Der Betrieb ist oft hektisch, schnell und es bleibt manchmal nicht die gewünschte Zeit, die super Leistung des Teams zu würdigen. Die Arbeitszeiten bei einem 7x18-Stunden-Betrieb sind zudem auch anspruchsvoll", sagt er gegenüber persoenlich.com.
Keine einfache Startphase
Wälty will das Problem nun über eine Mitarbeiterbefragung angehen. Einen entsprechenden Auftrag hat er im Februar ans Markforschungsinstitut Demoscope erteilt: "Die Untersuchung soll zeigen, wie zufrieden die Mitarbeiter z.B. mit dem Arbeitsklima, Talentförderung und dem Kontakt zu den Vorgesetzten sind", erklärt er gegenüber persoenlich.com. Seither wurden rund 40 Newsnet-Mitarbeitende in einem anonymen 10-minütigen Telefoninterview befragt. Die so gewonnen Daten werden nun ausgewertet, sodass die Chefredaktion daraus Schlüsse für die Weiterarbeit ziehen kann. "Wir möchten herausfinden, welches die Stressfaktoren für die Mitarbeiter sind. Wenn wir das wissen, können wir uns überlegen, wie wir das Problem angehen und hoffentlich lösen können", erklärt Wälty. Ebenfalls gehe es darum, Vorschläge zu sammeln und herauszufinden, wo die Chefredaktion strukturelle Verbesserungen einleiten könne.
Wälty gibt sich selbstkritisch
Seit dem Start 2008 ist das Newsnet stetig gewachsen. Jetzt, rund vier Jahre nach dem Start, liegt die Gesamtreichweite bei rund 3.6 Millionen Unique Clients. Mittlerweile versorgt Newsnet die Internet-Auftritte von "Tages-Anzeiger", "Basler Zeitung", "Berner Zeitung" und "Der Bund" und seit Januar ist in Lausanne eine Art zweites Newsnet im Einsatz, welches "Tribune de Genève", "24Heures" und "Le Matin" mit Inhalten versorgt.
Wälty kann sich noch gut zurück erinnern, wie das Gründungsteam das ambitionierte Projekt von der grünen Wiese auf startete: "Als Michael Marti, Matthias Saner, Stefan Eiselin, Gilbert Bötschi und ich im April 2008 angefangen haben, gab es nichts, ausser einer Absichtserklärung zwischen Zürich, Bern und Basel. Und schon im August desselben Jahres hatten wir ein Konzept, ein Layout, eine mandantenfähige Plattform, 40 redaktionelle Mitarbeiter und einen Businessplan. Ich befürchte, ich habe in diesen vier Monaten etwa vier Jahre an Lebenserwartung verloren." Als das Team dann losgelegt habe, sei die Situation nicht rasch besser geworden. Das schnelle Wachstum habe anfangs grosse technische Probleme verursacht, so dass das Team nicht immer richtig arbeiten konnte. In der Startphase sei es sicher nicht immer einfach gewesen, oft sehr hektisch zu und her gegangen. In seinen Ausführungen spart Wälty aber auch nicht mit Selbstkritik: "Das waren wohl nicht die besten Voraussetzungen für ein tolles Betriebsklima", sagt er.
Eintritt in eine neue Phase
Laut Wälty befindet sich Newsnet nun in einer neuen Phase, in der es um Konsolidierung und weiteren Ausbau gehe: "Im letzten Jahr waren wir teilweise stark durch zusätzliche Ausbauprojekte absorbiert. Dadurch sind wir in gewissen Bereichen ins Hintertreffen geraten. Unsere Mobile-Applikationen müssen beispielsweise überarbeitet werden, eine klarere Social-Media-Strategie muss implementiert werden und natürlich wollen wir auch die Strukturen und Abläufe auf der Redaktion überprüfen." Er freut sich auf die neuen Herausforderungen, welche gerade auch die Zusammenarbeit der Netzwerke in der Deutsch- und in der Romandie mit sich bringen. "Es macht richtig Spass mit den Kollegen in Genf und Lausanne zusammenzuarbeiten." Und mit Blick auf die journalistische Arbeit und auf das, was seine Redaktoren täglich leisten sagt er: "Immer wenn ich auf unsere Webseite schaue, freue ich mich über die tollen Geschichten und die ansprechende Aufmachung", und er fügt an: "Wenn ich nicht schon hier arbeiten würde, würde ich mich wohl bewerben."
Text: Edith Hollenstein