20.03.2022

Ukraine-Krieg

Peter Wanner kritisiert den Westen scharf

In einem seitenfüllenden Front-Leitartikel in der Schweiz am Wochenende wählt der CH-Media-Verleger ungewohnt deutliche Worte: «Der Westen muss seine Feigheit und Ängste überwinden.» Auch die Schweiz nimmt er in die Pflicht.
Ukraine-Krieg: Peter Wanner kritisiert den Westen scharf
«Es war falsch, Putin zu signalisieren, dass man keineswegs in einen Krieg hineingezogen werden will»: CH-Media-Verleger Peter Wanner kritisiert die Nato. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Wladimir Putins Ziel war ein möglichst kurzer Angriffskrieg auf die Ukraine. Doch aus diesen Plänen des russischen Präsidenten wurde nichts, der Krieg hält nun seit drei Wochen an. Grund: Angeführt von Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigen sich die Ukrainer besonders widerstandsfähig und verteidigen sich, so gut es nur geht. Ein kriegerischer Konflikt, dessen Ende in weite Ferne gerückt ist.

CH-Media-Verleger Peter Wanner hat dazu eine klare Haltung, schreibt er doch in einem seitenfüllenden Leitartikel auf der Frontseite der Schweiz am Wochenende: «Ein Aggressor und Kriegstreiber wie Putin, der von einem grossrussischen Reich träumt, lenkt erst ein, wenn er den Krieg militärisch zu verlieren droht oder wenn sein Land erdrosselt wird.»

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Auch sonst wählt Wanner in seinem Meinungsbeitrag mit dem Titel «Der Westen muss klare Kante zeigen» ungewöhnlich deutliche Worte: «Der Westen zögert und hadert teilweise noch immer und tritt zu wenig entschlossen auf.» Die Nato, so Wanner weiter, erhöhe zwar ihre Kampfbereitschaft, ziehe ihre Truppen zusammen und verspreche ihren Mitgliedsstaaten Schutz, wolle aber «keinesfalls in einen Krieg hineingezogen werden».

Sosehr diese Haltung der Nato verständlich und die Angst vor einer Eskalation nachvollziehbar sei, sosehr sei sie letztlich «feige». Denn: «Sie lässt die Ukraine in ihrem Freiheitskampf im Stich. Es war falsch, Putin zu signalisieren, dass man keineswegs in einen Krieg hineingezogen werden will.»

«Sonst macht sich die Schweiz mitschuldig»

Wanner kritisiert auch Deutschland, das sich in eine «unglaubliche und sträfliche Abhängigkeit» von russischen Energielieferungen begeben habe. Auch die Schweiz nimmt er in die Pflicht. «Selbstverständlich muss sie die Handelsdrehscheibe für Öl- und Gaslieferungen und die damit verbundenen Geldströme sofort stilllegen und die Vermögenswerte einfrieren, auch jene der Oligarchen.» Denn sonst mache sie sich «mitschuldig an der Finanzierung von Putins brutalem Krieg».

Die Schweiz sei militärisch neutral, doch Wanner betont: «Politisch, ökonomisch und moralisch darf sie nicht neutral sein. Sie sollte sich solidarisch zeigen, Flüchtlinge aufnehmen und helfen, wo sie nur kann.» Zum Beispiel, indem die Schweiz Schutzwesten, Hilfsgüter, Medikamente und mobile Spitaleinrichtungen liefere. Seinen Leitartikel beendet Wanner mit dem Satz: «Ja, es steht viel, sehr viel auf dem Spiel.» (tim)


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KOMMENTARE

Adrian Venetz
19.03.2022 16:48 Uhr
Herr Renold, ich lerne gerne dazu, Nennen Sie mir doch jene Passagen im Leitartikel, in denen Wanner neue und eigene Denkanstösse formuliert. Vielleicht hab ich sie überlesen.
Sebastian Renold
19.03.2022 15:13 Uhr
@Venetz: Wanner hat weder abgeschrieben, noch haben die "renommierten Blätter" längst geschrieben, was zu sagen war. Wanners Leitartikel erinnert an die besten Zeiten, als sein Vater Otto noch in wichtigen Augenblicken selber in die Tasten griff. Der Artikel ist ein würdiges Gegenstück zu den erbärmlichen Russland-Ergüssen jenes Christian Müller, der auch einmal zum "Badener Tgablatt" gehört hatte. Im übrigen: Wenn einer, wie Venetz fordert, sich nur "aufs Verlagsgeschäft (lies seine Dividenden) konzentriert", kommt nur ein schwaches Süppchen (Supino) heraus.
Adrian Venetz
19.03.2022 11:00 Uhr
Wanner schreibt nichts, was in Leitartikeln renommierter Blätter nicht längst schon geschrieben stand. Er sollte sich besser aufs Verlagsgeschäft konzentrieren, statt von jenen Grössen abzuschreiben, die sich seit Jahrzehnten mit nichts anderem befassen als mit Konflikten umd internationalen Beziehungen.
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