Das Verlagshaus Tamedia hat sich mit dem Personal der Zürcher Regionalzeitungen nicht auf einen Sozialplan einigen können. Die Entlassungen werden darum mit Leistungen auf freiwilliger Basis abgewickelt (persoenlich.com berichtete).
Das Angebot sei fair gewesen, sagte Tamedia-Chef Christoph Tonini an der Pressekonferenz vom Donnerstag. Es sei bedauerlich, dass es in diesem Fall nicht gelungen sei, einen Sozialplan zu verhandeln. "Wenn man aber als asozial betitelt wird, habe ich dafür kein Verständnis", sagte er weiter. Damit spielte Tonini auf die Proteste der Betroffenen und der Gewerkschaften an, die das Verlagshaus wiederholt als "asozial" bezeichneten.
Proteste vor Medienkonferenz
Am Donnerstagmorgen protestierten rund 50 Mitarbeitende der Regionalzeitungen sowie Gewerkschaftsvertreter mit einem Pfeifkonzert vor dem Tamedia-Gebäude gegen den "Asozialplan". Bereits vor drei Wochen hatte vor dem "Landbote"-Sitz in Winterthur eine ähnliche Demonstration stattgefunden.
Die Gewerkschaft Syndicom und der Journalistenverband Impressum fordern den Konzern laut einer Medienmitteilung auf, "die jetzt Betroffenen nicht weiter als Mitarbeitende zweiter Klasse zu behandeln und unter Einbezug der Sozialpartner Verhandlungen zu führen". Tamedia gebe gleichzeitig Millionengewinne bekannt und entlasse Dutzende von Journalisten. Der vorgeschlagene Sozialplan sei "unwürdig".
Ausserdem wird der Tamedia-Geschäftsleitung vorgeworfen, sich engagierenden Journalisten mit einer Kündigung gedroht zu haben. Tonini wies diese Vorwürfe an der Medienkonferenz zurück.
Regionalzeitungen ab Juni mit neuem Layout
Tamedia streicht bei den Regionalzeitungen insgesamt 25 Stellen. Wegen zahlreicher Abgänge in den vergangenen Wochen müssen voraussichtlich aber nur etwa 15 Stellen abgebaut werden.
Ab Juni erscheinen die Regionalzeitungen dann mit neuer Struktur und neuem Layout. Äusserlich werden sich "Landbote", "Zürcher Unterländer" und "Zürichsee-Zeitung" künftig an der "Berner Zeitung" orientieren. Hintergrund für die Neuausrichtung ist die Übernahme des "Landboten" durch Tamedia.
Proteste auch in Lausanne
Auch in Lausanne wurde am Donnerstag gegen das Zürcher Medienhaus demonstriert. Vor dem Edipresse-Turm protestierten rund 100 Angestellte gegen Abbaumassnahmen und Personalverschiebungen, die gemäss Angaben von Syndicom ebenfalls ohne fairen Sozialplan abgewickelt würden.
Die Resultate seien zwar zurückgegangen, blieben jedoch gut, sagte Christian Campiche, Vizepräsident von Impressum. Tamedia hatte im Frühling 2013 ein Sparprogramm angekündigt, von dem auch die Westschweizer Medien betroffen sind.
Das gilt unter anderem für die Titel "Le Matin", "24 Heures" und "Tribune de Genève". Zudem ist die Zukunft der Zeitung "Le Temps" offen, die von den Mehrheitsaktionären Tamedia und Ringier zum Verkauf ausgeschrieben wurde. (sda/lmy)