Politiker sollen für Interviews 550 Franken zahlen

Ettingerhof-Verlag - Beschwerde beim Presserat.

Aargauer Grossratskandidaten können sich einen Platz in der Zeitung kaufen – dies in Form eines Interviews, das auf den Sonderseiten zu den Grossratswahlen im redaktionellen Teil erscheinen wird. Wie das Konkurrenzblatt "Aargauer Zeitung" am Mittwoch schreibt, hatte Inserateabteilung der drei lokalen Wochenzeitungen "General-Anzeiger", "Rundschau Nord" und "Rundschau Süd", die alle zum Verlag Effingerhof in Brugg gehören, ein entsprechendes Angebot an die Kandidaten verschickt.

Heftige Kritik von Peter Studer

Im Schreiben heisst es, dass die Kandidaten als Gegenleistung für das Interview entweder Inserate in der Höhe von 550 Franken buchen oder den Betrag direkt an die Zeitung überweisen können. Laut "Aargauer Zeitung" hat nun Florian Vock zu Wort gemeldet. Der Jungsozialisten-Präsident und Grossratskandidat ist nicht einverstanden mit dem Geschäftsgebaren des Effingerhof-Verlags und hat Beschwerde beim Presserat eingereicht: "Hier werden grundlegende journalistische Prinzipien verletzt, weil die Inserateabteilung in den redaktionellen Teil eingreift", sagt er. Die Beschwerde könnte aussichtsreich sein, denn auch Peter Studer ist entrüstet. Der ehemalige Präsident des Schweizer Presserates kritisiert: "So ein Deal für 550 Franken im redaktionellen Teil ist total daneben." Entweder mache ein Grossratskandidat ein Inserat oder die Lokalzeitung berichte nach journalistischen Kriterien über die Kandidierenden.

Geschäftsführer nimmt keine Stellung

Stefan Biedermann, Geschäftsführer des Verlagshauses Effingerhof, wollte laut "Aargauer Zeitung" am Dienstag keine Stellung zu den Vorwürfen nehmen und die beiden Chefredaktoren der Lokalzeitungen, Friderike Saiger und Peter Belart, seien an diesem Tag nicht erreichbar gewesen.

Zudem weiss die AZ, dass die drei Lokalzeitungen bereits bei den Nationalratswahlen im letzten Jahr wohlwollende Porträts über die Kandidaten verkauft hätten. Friderike Saiger, Chefredaktorin der "Rundschau Nord" und "Rundschau Süd", sagte damals: "Die Leser sind keine Dummköpfe. Die können sich ihre Meinung trotzdem bilden." Saiger betonte zudem, dass auf Ausgeglichenheit geachtet würde. (AZ/eh)