In Fidschi wird erstmals seit dem Militärputsch vor acht Jahren ein Parlament gewählt - und niemand darf in den kommenden Tagen darüber berichten. Vor der Abstimmung verhängte die Staatsführung eine strikte Nachrichtensperre für alle Medien.
Die Zensur trat am Montagmorgen in Kraft trat und gilt bis zur Schliessung der Wahllokale am Mittwochabend. Journalisten können für Verstösse mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. Neben politischer Berichterstattung sind auch jegliche Wahlkampfaktivitäten, Plakate, Spruchbänder und öffentliche Diskussionen verboten. Gleiches gilt für Debatten in sozialen Netzwerken.
Der oberste Wahlaufseher Mohammed Saneem begründete die Zensur damit, dass den Wählern die Chance gegeben werden solle, in Ruhe über die Vergabe ihrer Stimme nachzudenken, ohne von Parteienwerbung beeinflusst zu werden. "So kann der Wähler ohne äussere Einflüsse oder unbotmässigen Druck entscheiden", sagte Saneem vor Journalisten.
Zwar gibt es in anderen Ländern wie Neuseeland ähnliche Verbote, diese gelten aber in der Regel nur während weniger Stunden nach Öffnung der Wahllokale und sind zudem nicht wie in Fidschi mit Haftstrafen verbunden. Organisationen wie Amnesty International und Reporter ohne Grenzen rügen die Behinderung von Journalisten in dem 900'000 Einwohner zählenden Inselstaat seit langem als Verstoss gegen die Pressefreiheit.
Seit einem Staatsstreich im Jahr 2006 regiert in Fidschi der Militärmachthaber Voreqe Bainimarama per Dekret. Im vergangenen Jahr erlaubte seine Militärregierung erstmals einigen Parteien die politische Tätigkeit. Bainimarama, der schon Soldaten in Redaktionen schickte, um unliebsame Berichterstattung zu unterbinden, tritt bei der Wahl als Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten an. (sda)