Die Weko erlaubt die Übernahme von 20 Minuten durch die Tamedia, will ein Engagement der BZ aber tiefer prüfen. Verstehen sie den Entscheid? Schliesslich hätte im Endeffekt sowieso die Tamedia die Mehrheit.
Ja ich verstehe den Entscheid, weil sich die Situation aus Sicht der Weko seit unserer Eingabe für 20 Minuten verändert hat. Die Wettbewerbskommission will verständlicherweise abklären, ob sich der Markt durch das sogenannte "Berner Modell", bei dem die Verlage von Bund und Berner Zeitung zusammengelegt werden, bezüglich bisheriger Eingabe im Fall von 20 Minuten verändert. Da wir aber vor allem vom nationalen Werbemarkt diszipliniert werden und lediglich 17.5 Prozent an 20 Minuten halten werden, sind wir zuversichtlich, dass die Weko nach ihrer detaillierten Prüfung auch unter Berücksichtigung der neuen Aspekte positiv entscheiden wird.
Redaktion von Bund und BZ sollen auch unter dem "Berner Modell" getrennt bleiben. Weshalb also die Angst vor einer Marktbeherrschung?
Vorwegzunehmen ist, dass die Weko nicht für die Medienvielfalt zuständig ist. Vielmehr muss sie dafür sorgen, dass Wettbewerb herrscht. Auf dem Inseratemarkt aber, der in diesem Zusammenhang wohl vor allem untersucht wird, stehen wir in einem nationalen Wettbewerb. Der regionale Markt mit seinen Lokalanzeigern, Plakataushängen und Direct-Marketing-Möglichkeiten ist für die Tarifgestaltung von BZ, Bund oder 20 Minuten untergeordnet.
Die vertiefte Prüfung der Weko ist also sinnlos?
Die Weko geht eben nach einer bestimmten Systematik an die Arbeit. Das mag von aussen praxisfremd erscheinen, hängt aber auch damit zusammen, dass sie nicht über zwanzig Jahre Branchenerfahrung verfügt. Wir Unternehmer müssen uns da wohl oder übel in Geduld üben.
In Zürich wird Tamedia mit Tages-Anzeiger und 20 Minuten einen bedeutenden Marktanteil erhalten. Wird hier die Tamedia nicht bevorzugt?
Nein, das sehe ich nicht so. Auch die Tamedia wird in erster Linie vom nationalen Markt diszipliniert, von dem der Grossraum Zürich natürlich ein wesentlicher Bestandteil ist. Diesen Aspekt hat die Weko wohl berücksichtigt. Anders sähe es zweifellos aus, hätten NZZ und Tages-Anzeiger ein "Zürcher Modell" diskutiert. Dann wäre der Deal mit Sicherheit ebenfalls vertieft geprüft worden.
Bis wann erwarten Sie den definitiven Entscheid der Weko?
Das müssen Sie die Weko fragen. Ich persönlich hoffe, er falle schnell -- nur schon im Interesse der involvierten Mitarbeiter, die jetzt quasi im Eisschrank auf die neue Situation warten müssen.
Wie reagiert die BZ jetzt?
Gar nicht. Ich wüsste nicht wieso. Wir haben keinen Grund, in irgendeiner Form aktiv zu werden. Ausser, dass wir der Weko vermutlich weitere Fragen beantworten werden müssen.
Sie wirken sehr zurückhaltend und verständnisvoll. Haben Sie Angst, die Weko zu erzürnen?
Warum auch? Die Kommission macht ihre Arbeit so wie sie will, ob ich das gut oder schlecht finde. Ich sehe auf jeden Fall zur Zeit keine Veranlassung, aggressiv zu werden.
Was wären die Konsequenzen, wenn die Weko den Einstieg der BZ bei 20 Minuten verböte?
Davon gehen wir nicht aus, das ist sehr gesucht hypothetisch.
Sie haben also keine Notfallszenarien vorbereitet?
Nein, das haben wir in diesem Fall nicht nötig.
Haben Sie die vertiefte Prüfung überhaupt erwartet?
Als wir im August die Bund-Eingabe machten, war uns klar, dass sie eine weitere Prüfung in Bern bezüglich 20 Minuten nach sich ziehen würde.
Würden Sie einen abschlägigen Entscheid der Weko weiterziehen?
Es kann aus Wettbewerbsgründen gar keinen abschlägigen Bescheid geben. Ich gehe nicht davon aus, dass bei der Weko plötzlich politische Entscheide getroffen werden.
Der Gratiszeitungsmarkt wächst, wie die jüngste Mach Basic erneut gezeigt hat. Müsste die Espace Media bei einem negativen Weko-Beschluss mit einem eigenen Produkt um Bern kämpfen?
Nochmals: Es wird klappen! Wettbewerbsrechtlich spricht absolut nichts dagegen. Wir sind überzeugt, dass die Weko zum gleichen Schluss kommen wird. Wir sind schliesslich genug lange in diesem Markt, um hautnah zu spüren woher und wie wir in unserem Marktverhalten diszipliniert werden. Daran ändern weder das "Berner Modell", noch die 17.5 Prozent an 20 Minuten etwas.