Präsident Pietro Supino kritisiert die NZZ

Verband Schweizer Medien - Die «Neue Zürcher Zeitung» habe eine «Ente» produziert, sagt Pietro Supino. Rainer Stadler ärgert sich über diesen Vorwurf.

von Edith Hollenstein

Pietro Supino hält viel von Rainer Stadler. Noch in seinem im Tagi vom Samstag publizierten Essay zum künftigen Service Public hatte er prominent auf Einschätzungen des NZZ-Medienexperten verwiesen, um dadurch seinen eigenen Aussagen zusätzlich Gewicht zu verleihen. Dieses Wochenende jedoch meldete sich Supino ungewöhnlich offensiv und kritisch zu Wort: Rainer Stadler habe eine «Zeitungsente» produziert, so sein Vorwurf im Interview mit der «Schweiz am Sonntag». Damit nicht genug: «Eigentlich selbst ein Fall für den Presserat.»

Abstimmungsergebnis erwähnt

Rainer Stadler hatte in seinem Bericht vom Freitag über die Neubestellung des Verbandspräsidiums den Beschluss des VSM in Sachen Presserat erwähnt. Die Verleger hatten nämlich beschlossen, ihren Entscheid, den Beitrag an den Presserat zu streichen, rückgängig zu machen. Stadler nannte gar Details: «Die Entscheidung im Präsidium fiel allerdings knapp, mit 4 zu 3 Stimmen», heisst es im NZZ-Artikel. Und: Gegen eine Aufhebung des Sistierungs-Beschlusses hätten namentlich Hanspeter Lebrument, Markus Somm und Pietro Supino gestimmt.

«Das stimmt nicht. Ich habe nicht gegen den Presserat gestimmt», sagt nun Pietro Supino gegenüber der SchwaS. Alle im Präsidium seien sich einig gewesen, dass der Verband den Presserat unterstützen will.

«Bei der Abstimmung ging es nur um das taktische Vorgehen – also um die Frage, ob der Verband A) den Presserat wie bisher mit 36‘000 Franken jährlich unterstützen oder ob er B) zuerst das Gespräch suchen und die finanzielle Unterstützung über den Verband oder direkt geleistet werden soll», erklärt Supino. 

Rainer Stadler präzisiert

Stadler ärgert sich über Supinos Kritik. «Der Ausdruck ‹Zeitungsente› ist schlicht falsch», sagt er gegenüber persoenlich.com, denn es handle sich nicht um eine Falschmeldung. «Mein Bericht ist korrekt. Dass das Präsidium mit 4:3 gegen gestimmt hat, ist ein Faktum. Auch dass Lebrument, Somm und Supino dagegen gestimmt haben». 

Stadler sagt jedoch: «Allenfalls hätte ich im Text angeben können, aus welchen Motiven die Einzelnen dafür oder dagegen gestimmt hatten. Denn es stimmt, mit der reinen Nachricht zum Stimmverhalten blieb offen, welche Position die Nein-Sager zum Presserat einnehmen.»

Der Presserat als wichtiges Anliegen

Erstaunlich bei dieser Sache ist, wie vehement sich Supino für diese Präzisierung stark macht. Offenbar ist ihm der Presserat ein zentrales Anliegen. 

«Durch den Artikel musste der Eindruck entstehen, Pietro Supino stehe nicht hinter der Unterstützung des Presserates. Dieser Eindruck ist falsch», erklärt Tamedia-Kommunikationschef Christoph Zimmer den Effort.

Supino habe sich bereits an der Medienkonferenz nach der Mitgliederversammlung des Verbandes öffentlich klar hinter den Presserat gestellt. Deshalb habe er diesen Punkt richtig gestellt.