Presse-Krise trifft auch Gratisblätter

Frankreich - Werbeeinnahmen sind rückläufig, Hilfe vom Staat fragwürdig.

Die Krise der französischen Presse treffe auch die drei Gratisblätter "20 Minutes", "Direct Matin" und "Metronews", wie die "NZZ" am Dienstag schreibt. Die Werbeeinnahmen seien stark rückläufig und im Netzt sei der Konkurrenzkampf hart, da dort Abonnementszeitungen wie "Le Monde" und "Le Figaro" zu einem gewissen Teil auch Gratisartikel anbieten, welche qualitativ klar besser seien.

"20 Minutes" hat die Verteilung ihres Gratisblatts seit Jahresbeginn gekürzt und ist nun nur noch in 36 Städten (vorher 45) aktiv. Zudem sollen 13 Stellen gestrichen werden, wie die "NZZ" weiter schreibt. Trotz Senkung der Vertriebskosten werde es schwierig werden, nur mit neuen Anzeigenkunden im digitalen Geschäft zurück auf die Gewinnerstrasse einzubiegen.

Hoffnung auf Staatsgelder 
Es bestehe aber Hoffnung, einen Zuschuss vom Staat zu bekommen. Die französische Presse wurde laut "NZZ" 2013 mit knapp 400 Millionen Euro öffentlichen Geldern unterstützt. Allerdings sind die Verteilungskriterien dieser Gelder undurchsichtig. "Metronews" erhielt einen staatlichen Zustupf, die anderen Gratiszeitungen nicht.

Die Druckereigewerkschaft Unic klagte gegen diese unübersichtliche Förderungspraxis, schreibt die "NZZ". Das Verwaltungsgericht bestätigte ihr Anliegen, dass diese Ungleichbehandlung ungerechtfertigt sei und gegen das Gleichheitsprinzip verstosse. So dürfen die Gratiszeitungen weiter hoffen, von den öffentlichen Geldern auch einen Anteil zu erhalten.

Realistisch scheint dies nicht, denn Frankreich steht mit leeren Kassen da. Entweder werden die Zuschüsse an die Presse vollends gestrichen, oder es werden auch Fördergelder an die Gratispresse abgegeben, was wiederum ohne die Kürzung der Abgaben an die Abonnementspresse nicht realisierbar wäre. Der Rechnungshof hat laut "NZZ" mehrmals eine Überprüfung der Presseförderung angemahnt. (ml/NZZ)