Wie weit soll das Privatleben Schweizer Politiker enthüllt werden? Dieser Frage nimmt sich René Zeller, Inlandchef der NZZ, in einer Kolumne mit dem Titel «Gössis Schlüsselloch» an. Er schreibt darin über den unterschiedlichen Umgang mit dem Privatleben von Parlamentariern, die für eine Präsidentschaft der Parteien SVP, FDP und CVP zur Wahl stehen. Dabei interessiert vor allem die weibliche Kandidatin Petra Gössi (im Bild): «Zu den Auffälligkeiten dieses Prozesses gehört das Faktum, dass das Trio unterschiedlich tiefenscharf gescannt wird», bemerkt Zeller. «Alle möchten wissen, wie die 40-jährige Schwyzerin privat gebettet ist.»
Dass diese ihr Privatleben nicht öffentlich teilt, gefalle insbesondere dem «Blick am Abend» nicht. Dieser habe nach ihrer Stellungnahme in der NZZ bezüglich Trennung von Privatem und Beruflichem «Eine Frau mit Männer-Geheimnis» getitelt. Darauf verriet Gössi, dass sie in einer Partnerschaft lebe – «was der Boulervardzeitung «Blick» natürlich nicht genügte», so Zeller. Dieser habe nochmals nachgehakt und folgendes Statement erhalten: «Es ist ein Partner, mit dem ich zusammen bin.»
Zeller kritisiert dieses Verhalten seitens Medien und nennt es «ein bisschen peinlich». Dass bei der Berichterstattung über angehende Parteipräsidenten geschlechtsspezifische Masstäbe gesetzt würden, schmeichle «weder uns Journalisten noch dem geneigten Publikum, das mutmasslich ebenfalls stärker an weiblichen als an männlichen Privatangelegenheiten interessiert ist».
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