Produzent Sven Sarbach zieht Bilanz

"MusicStar" - Die zweite Staffel von "MusicStar" geht am kommenden Samstag zu Ende. Die Kandidaten sangen und tanzten, für das grösste mediale Echo sorgten aber die Kommentare der Jury mit Detlef D! Soosts Ausraster als Höhepunkt. Bei den "MusicStar"-Machern hat sich trotz anschliessendem Quotensprung niemand wirklich über die Entgleisung des Jurors gefreut. "MusicStar"-Produzent Sven Sarbach zieht ein erstes Fazit und spricht über Ziele und Herausforderungen bei der Produktion. Das Interview:

Sven Sarbach, wann sind Sie als Produzent mit einer Sendung zufrieden?

Während der Sendung sitze ich im Übertragungswagen und spüre die Stimmung auf der Bühne. Wenn diese stimmt, bin ich zufrieden. Manchmal mehr und manchmal weniger, das hängt von den Leistungen der Kandidaten ab. Meistens habe ich aber nach dem Schlusssignet ein positives Gefühl. Ich bin natürlich auch darum besorgt, dass die Einspielungen klappen und technisch alles reibungslos funktioniert. Schlussendlich jedoch steht und fällt die Sendung mit der Leistung der Kandidaten.

Haben Sie mit "MusicStar" Ihre Ansprüche und die Erwartungen von SF DRS an die zweite Staffel erfüllt?

Meine eigene Erwartung war, dass die Kandidaten im Choreografie-Bereich zulegen. Das gesangliche Können ist immer noch das wichtigste, für die zweite Staffel hatten wir uns aber auch eine Steigerung im Tanz zum Ziel gesetzt. Dank der Verpflichtung von Detlef D! Soost und Rafael Antonio als Coaches konnte dieses Ziel erreicht werden. Wie sich die Kandidaten heute bewegen, ist erste Klasse. Zu den Erwartungen von SF DRS kann ich nicht viel sagen. Mir wurde aber signalisiert, dass man zufrieden und von der guten Zuschauerresonanz überrascht sei. Das offizielle Feedback wird aber sicherlich noch folgen.

Was waren für Sie die besonderen Herausforderungen bei der Produktion?

Wie erwähnt legte man diesmal nebst dem Gesang mehr Wert auf die Tanzausbildung. Dies bedeutete nebst den anderen Verpflichtungen wie beispielsweise den Dreharbeiten für "MusicStar -- Die Woche" und die Porträts ein strengeres Programm für die Kandidaten als bei der ersten Staffel. Den so entstandenen strengen Stundenplan durchzuboxen, war eine der grössten Herausforderung. Während der Live-Sendung selber hatte ich im besten Fall dann nicht mehr soviel zu tun.

Als zentraler Unterhaltungswert bei "MusicStar" hat sich immer mehr die Jury herausgestellt, die Kandidaten und die Musik mussten hinten anstehen. Welche Konsequenzen hatte das für die Produktion?

Dies ist eine Frage der Wahrnehmung. Ich habe das nicht so empfunden.

Die medialen Schlagzeilen wurden auf jeden Fall von den Jury-Aussagen beherrscht. Nach Detlef D! Soost’ Ausraster stiegen die Quoten bei der nächsten Sendung um 180'000 Zuschauer. Ein solches Echo muss doch das Produzentenherz erfreuen?

Dies wäre die Sichtweise eines zynischen Produzenten, der denkt, super, endlich ein Skandal. Sie entspricht aber nicht der Wahrheit. Der Ausrutscher war auch für uns Macher ein Tiefschlag. Darüber hat sich niemand gefreut. Im Gegenteil, es haben alle gedacht, wie kommen wir aus dieser Sache wieder heraus, hoffentlich wird es nicht noch schlimmer.

Hat man sich nach "Soostgate" nicht überlegt, ob man nach amerikanischem Vorbild die Übertragung um fünf Sekunden verzögern will?

Dieser Gedanke ist nie aufgetaucht.

Hat "MusicStar" überhaupt die Aufgabe, Musikerkarrieren zu starten?

"MusicStar" ist ein Nachwuchsförderungsprojekt. Wir geben jungen Talenten eine Plattform, um zu zeigen, was sie drauf haben. Nach der Sendung werden die Kandidaten noch eine gewisse Zeit professionell weiter betreut. Was nachher passiert, liegt in ihrer Eigenverantwortung.

Muss man "MusicStar" nicht in erster Linie als eine Unterhaltungssendung verstehen und den Musikwettbewerb als Mittel zum Zweck?

Es ist ein musikalischer Wettbewerb, der in Form einer Unterhaltungssendung übertragen wird. Das Spannende daran ist der Live-Charakter. Im Gegensatz zu einer Doku-Soap kann nicht alles am Schnittplatz zurecht gelegt werden.

Dass die Priorität nicht nur bei der Musik liegt, hat man spätestens zu dem Zeitpunkt gemerkt, als alle Kandidaten mit der Gesundheit zu kämpfen hatten und auch ohne Stimme auftreten mussten. Heisst das oberste Gebot "the show must go on“?

So ist es, wie das auch im Pop-Business der Fall ist. Nur wenige Künstler können es sich leisten, wegen Krankheit nicht aufzutreten und Konzerte abzusagen. Zudem ist "MusicStar“ ein Format, das gewissen Regeln unterliegt, da führt kein Weg dran vorbei.

Am Samstag steht das Finale an. Kommt da Wehmut auf?

Tatsächlich. Weil die ganze Produktionsstätte von "MusicStar" auf dem Maag-Areal liegt, entsteht ein ganz spezieller Groove, den man sonst nicht hat. Wenn man durch die Gänge läuft, wird in einem Zimmer gesungen, in einem getanzt, in anderen geschnitten oder gefilmt. Jetzt, wo bereits die Abbruchpläne besprochen werden, kommt schon Wehmut auf.

Was glauben Sie, welcher Kandidat wird "MusicStar"? Wer ist Ihr persönlicher Favorit?

In der Funktion als Produzent muss ich natürlich neutral sein. Ich wünsche mir für den Samstag eine schöne Sendung mit viel Leidenschaft und hoffe, dass der Abend für den Sieger oder die Siegerin unvergesslich wird. Wenn dieser Moment auch uns Mitarbeiter ergreift, dann fühlen wir uns sicher auch ein wenig als Gewinner.