Tamedias Pendlerblatt in der Westschweiz wurde Ende 2009 besonders stark gebucht. Offen ist, ob "20minutes" vom Aus des Konkurrenten "Matin Bleu" profitierte - oder bloss von Schnäppchenjägern. Als Tamedia und Edipresse am 25. September 2009 die Westschweizer Pendlerzeitung "Matin Bleu" einstellten, geschah dies in der Absicht, die Kosten zu halbieren und "20minutes" bald möglichst zum finanziellen Erfolg zu führen. Überraschend ist nun aber, wie schnell die Rechnung der beiden Verlage aufzugehen scheint. Denn gemäss Wemf-Inseratestatistik generierte "20minutes" allein von Oktober bis Dezember 2009 ein Drittel seines gesamten Jahresvolumens.
In Zahlen: Von den total 2313 Anzeigenseiten, die im letzten Jahr bei "20minutes" geschaltet wurden, entfielen 750 auf das vierte Quartal. Besonders deutlich spiegelt sich der Erfolg dieser Marktbereinigung spiegelt sich in der Anzahl Anzeigenseiten pro Ausgabe wider: Im September, als "Le Matin Bleu" noch auf dem Markt war, verzeichnete das Edipresse-Blatt 6,3 Seiten pro Nummer, "20minutes" erreichte 10,2 Seiten und blieb auch im Oktober auf diesem Niveau. Dann kam die Trendwende: "20minutes" schnellte im November auf 12,2 und im Dezember auf 12,6 Inserateseiten pro Ausgabe, 4 Seiten mehr als der Durchschnitt in den ersten neun Monaten 2009.
Umsatzmässig präsentiert sich die Situation wie folgt: Im September generierten die beiden Pendlerblätter zusammen Werbeeinnahmen von total rund 206'000 Franken pro Erscheinungstag (basierend auf ihren regulären Seitentarifen). Im Dezember hingegen kam "20minutes" solo bereits auf knapp 160'000 Franken pro Ausgabe. Per 1. Januar 2010 hat "20minutes" nun seinen Anzeigentarif pro 1/1-Seite um 45 Prozent auf 18'400 Franken angehoben. Damit ist klar: Auch wenn das Gratisblatt im Januar "bloss" das Dezember-Volumen halten kann, erhöht sich sein Umsatz dennoch auf rund 230 000 Franken pro Ausgabe 11 Prozent mehr als mit dem "Matin Bleu" gemeinsam.
Ob dem Titel aber tatsächlich ein solcher Erfolg vergönnt ist, hängt davon ab, ob die Werbekunden den neuen Anzeigentarif auch goutieren. Das ist zumindest fraglich - zumal "20minutes" im Herbst seine Auflage nicht etwa ausgebaut, sondern um 10 Prozent auf 210 000 Exemplare gesenkt hat. Somit reisst sich nun dieselbe Anzahl Pendler um insgesamt weniger Gratiszeitungsexemplare. Die wahrscheinliche Folge: Die Anzahl Leser pro Exemplar steigt und wohl auch die Nutzungsdauer. Das dürften auch einige Kunden erkannt und deshalb "20minutes" noch intensiv zum bisherigen Preis gebucht haben. Möglich also, dass nur diese Schnäppchenjagd zum Jahresende der Grund für den Erfolg im November und Dezember war und dass nun die Nachfrage aus preislichen Gründen wieder abflaut. Die Zukunft wird es zeigen. (Text: Markus Knöpfli)