Mit Bendicht Luginbühl als Programmleiter hat DRS 3 in den vergangenen Jahren den Turnaround geschafft: DRS3 erreicht heute Spitzenwerte von bis zu 25 Prozent Reichweite, das Radio zählt über eine Million tägliche Hörerinnen und Hörer. Zugleich sind die Image-Werte im Vergleich zu früher stark gestiegen.
Luginbühl verweist gegenüber "persoenlich.com" auf die um 30 Prozent gesteigerten publizistischen Eigenleistungen. Unter dem Leitmotiv "Musik ist Information" habe man die musikpublizistische Berichterstattung von DRS 3 und Virus stark ausgebaut. Unter seiner Leitung führte DRS 3 Formate wie die Spielshow "Uri, Schwyz und Untergang" oder der tägliche Firmenwettstreit am Mittag neu ins Programm ein.
Weggefährten sind des Lobes voll über Luginbühl: "Er ist ein brillanter Manager mit einem grossen RocknRoll-Herz", sagt etwa DRS 3-Moderationsleiter François Mürner gegenüber "persoenlich.com". Er glaubt, dass Luginbühl den Sender ein "Megastück" weitergebracht hat. Als ein Mann mit Visionen betrachtet Moderatorin Mona Vetsch Luginbühl: "Er hat viel für DRS 3 gemacht und innerhalb des Teams ein Klima geschaffen, in welchem man zielstrebig arbeiten kann."
Als Grund für den Abgang Luginbühls ist aus der Medienmitteilung zu entnehmen, dass zwischen Radiodirektor Walter Rüegg und Luginbühl für die zukünftige Weiterentwicklung des Senders kein gemeinsames Konzept gefunden werden konnte. "Ich verlasse SR DRS, weil sich der Rhythmus der unternehmerischen Weiterentwicklung nicht auf die Zukunft übertragen lässt", so Luginbühl gegenüber "persoenlich.com".
Neue Programmstrategie sorgte für Knatsch
In der Radiofamilie von DRS rumorte es seit Längerem. 2004 hat sich DRS 1 eine neue Programmstrategie gegeben und ist auf Pop und Rock umgeschwenkt. Dies habe einen Familienstreit zwischen DRS 1 und DRS 3 ausgelöst, wie die Mittelland Zeitung am Donnerstag berichtet. Die programmlichen Doppelspurigkeiten von DRS 1 und DRS 3 seien zudem von zwei unabhängigen Expertisen festgestellt und von den Verantwortlichen zugegeben worden.
An der strategischen Ausrichtung wird aber nicht gerüttelt. "Bei der seit 2004 gültigen Programmstrategie sind keine Korrekturen zu erwarten", bestätigt Kommunikationschefin Ursula Kottmann in der Mittelland Zeitung. Die Musikchefs würden nur "bestehende Programmkonzepte detaillieren". Der Chef von DRS 1, Christoph Gebel, sehe keinen Handlungsbedarf.
Gemäss Mittelland Zeitung sehen das die DRS 3-Macher ganz anders. Programmleiter Bendicht Luginbühl habe schon im Sommer die Nachteile dieser Ausrichtung betont. Die strategische Ausrichtung von DRS 1, die mit einer Angleichung an DRS 3 verbunden ist, werde nicht verstanden und löse Unmut und Unzufriedenheit aus.
Es geht aber nicht nur um das Musikprogramm, sondern auch um die ungleiche Mittelverteilung. Die DRS 3-Führungscrew habe sich seit Monaten darum bemüht, mehr Mittel zu erhalten. Diese brauche es laut Luginbühl, um die Grundsubstanz zu stabilisieren: "Mehr publizistische und musikpublizistische Kompetenz, mehr Moderatoren, insgesamt eine breitere Basis."
Die Mittelland Zeitung schreibt in ihrer Ausgabe vom Donnerstag noch: "Es brodelt im Hause DRS und Insider schliessen nicht aus, dass der Streit schon bald eskaliert." Ist nun Bendicht Luginbühl das erste Opfer des Familienstreits?