Was passiert mit dem "Tages-Anzeiger"? Diese heisse Frage stellt sich derzeit die Medienbranche. Bekannt ist, dass sich gegenwärtig eine Arbeitsgruppe über die Zukunft des "Tagi" Gedanken macht. Noch ist nichts in Stein gemeisselt. Im März aber wollen Verleger, Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung entscheiden, wie es mit dem "Tages-Anzeiger" weiter geht.
Was die Redaktion erwarten wird, darüber konnte bis jetzt nur spekuliert werden. Die Arbeitsgruppe unter der Leitung von Rolf Bollmann hüllt sich in Schweigen. Auch die Untergruppen mit Markus Eisenhut (Co-Chefredaktor der Berner Zeitung), Bruno Furrer (Controlling Medien), Gilbert Hirzel (Verlagslogistik und Druckzentrum Tamedia), Philippe Pfister (Chefredaktion News), Andreas Strehle (stv. Chefredaktor des Tages-Anzeigers), Marcel Tappeiner (Verlagsleiter Tages-Anzeiger) und Peter Wälty (Chefredaktor Newsnetz) geben keine Informationen weiter.
An der gestrigen Verlegertagung sickerten jedoch ein paar Informationen zum derzeitigen Projektstand durch. Laut einer guten Quelle forcieren Newsnetz-Chef Peter Wälty und Markus Eisenhut, Co-Chefredaktor der Berner Zeitung, den Aufbau eines Newsrooms. In Bern ist der gemeinsame Newsdesk schon Realität ("persoenlich.com" berichtete). Unter der Federführung von Eisenhut haben die Berner das Modell umgesetzt. Nun soll Zürich folgen. Wie zu erfahren war, wolle man die Redaktionen des "Tages-Anzeigers", von "News" und des Newsnetzes von einem Desk aus mit Nachrichten bedienen. So will man künftig Doppelspurigkeiten verhindern.
Ein konkreter Termin steht noch aus. Die Zusammenarbeit müsse noch genauer ausgearbeitet werden. Im ersten Quartal sollen aber die Weichen gestellt werden. Spätestens im Juni sei der Newsroom dann Realität. Und wie reagiert die schreibende Zunft auf dieses nicht ganz unumstrittene Projekt? Es formiert sich Widerstand. Interne Quellen sprechen sich klar gegen einen Newsroom aus. Die Begründung: In Deutschland werde das Modell nach anfänglicher Euphorie stark hinterfragt. In den modernen Newsrooms könne man eben doch nicht so effizient arbeiten.
Nebst der Umorganisation der Abläufe hätte das Projekt eine unangenehme Konsequenz für die Newsnetz-Redaktion. Wie aus einem Off-the-Record-Gespräch zu erfahren war, würde ein Newsroom am ehsten bei den Onlinern zu einem Stellenabbau führen.
Fortsetzung folgt.