Prominenter Autor wechselt in die Rüstungsbranche

NZZ - Johannes Boie, früherer Chefredaktor von Bild und Welt am Sonntag, schrieb nur neun Monate für die Neue Zürcher Zeitung. Seit 1. August ist er Marketingchef des militärischen Softwareherstellers Helsing.

von Nick Lüthi

NZZ-Chefredaktor Eric Gujer stellte ihn Ende Oktober 2024 als «einen der klügsten Köpfe im deutschsprachigen Journalismus» vor. Johannes Boie, zuvor Chefredaktor der Springer-Titel Welt am Sonntag und Bild, schrieb ab November 2024 als freier Autor für die NZZ Deutschland. Seine Texte erschienen mehrheitlich online auf nzz.ch, einzelne Artikel standen auch in der gedruckten Ausgabe der Zürcher Zeitung. Nach 32 Beiträgen von Boie ist nun Schluss. Ein Essay zur deutschen FDP «am Scheideweg» war sein letzter Einsatz. Unter dem Artikel vom 29. Juli heisst es, Johannes Boie beende «seine Mitarbeit bei der NZZ auf eigenen Wunsch». Ein paar Tage später war auch klar, weshalb.

KI-gestützte Software für militärische Einsatzsysteme

Boie wechselte die Branche und arbeitet seit 1. August 2025 als Marketingchef für den militärischen Softwarehersteller Helsing, wie deutsche Medien berichteten. «In dieser Rolle wird Boie das Marketing des Unternehmens strategisch steuern und ausserdem für die Kommunikationsabteilung verantwortlich sein», schreibt Helsing auf seiner Website. Das Münchner Unternehmen entwickelt KI-gestützte Softwarelösungen für militärische Einsatzsysteme, die etwa in Drohnen oder auch Panzern zum Einsatz kommen.

Für die neue Aufgabe als Chief Marketing Officer (CMO) bei Helsing empfahl sich Boie nicht nur wegen seiner publizistischen Tätigkeit. Der Journalist arbeitete auch als Berater und gründete eine Softwarefirma, zudem war er bei Axel Springer Stabschef von CEO Mathias Döpfner.

Boie soll Helsing «kraftvoll positionieren»

«Johannes Boie verbindet technologisches Verständnis mit publizistischer Exzellenz und strategischem Denken. Er bringt die Fähigkeit mit, Helsing als Technologieunternehmen verantwortungsbewusst und kraftvoll zu positionieren, auch in der gesellschaftlichen Debatte», äussern sich die beiden Helsing-CEOs Torsten Reil und Gundbert Scherf zum neuen CMO.

Boie selbst kommentiert seine neue Aufgabe so: «Helsing steht für technologische Souveränität und demokratische Resilienz. Es ist eine der spannendsten Aufgaben unserer Zeit, diese Themen zu vertreten.» (nil)