Die Übernahme von ProSiebenSat.1 durch Springer ist geplatzt. Der Hamburger Axel Springer Verlag verzichtet auf den milliardenschweren Kauf der Fernseh-Gruppe.
Auf Grund der zahlreichen wirtschaftlichen und juristischen Unsicherheiten seien unzumutbare Risiken entstanden, teilte die Axel Springer AG am Mittwoch in Berlin mit. Daher werde das Vorhaben nicht weiter verfolgt.
Der Kaufvertrag mit den bisherigen Eigentümern des TV-Konzerns sowie das öffentliche Übernahmeangebot an die aussenstehenden Aktionäre seien damit hinfällig. Springer hatte sich die Anteile für 2,5 Mrd. Euro gesichert. Sie fallen jetzt wieder an die bisherigen Eigentümer zurück.
Das Kartellamt hatte die Übernahme am 23. Januar untersagt. Mit einer Klage oder einer Ministererlaubnis hätte die Übernahme trotzdem noch genehmigt werden können. Der Springer-Verlag, der unter anderem die Boulevardzeitung "Bild" herausgibt, verzichtet aber darauf.
Springer-Chef Mathias Döpfner hatte bereits deutlich gemacht, dass es für ihn in diesem Übernahmeverfahren Grenzen gebe. Unbeherrschbare Risiken wolle er zum Wohl der Aktionäre nicht eingehen.
Saban enttäuscht
ProSiebenSat.1-Besitzer Haim Saban zeigte sich enttäuscht. Dennoch seien er und seine Investoren weiterhin sehr zufrieden mit der Entwicklung von ProSiebenSat.1 und mit ihrem Investment, erklärte Saban in einer Mitteilung.
Nun würden alle Alternativen geprüft. Dem Vernehmen nach soll sich der US-Milliardär bereits nach anderen Käufern für die Sendergruppe umsehen.
Auch ProSiebenSat.1 bedauert die geplatzte Übernahme: Der Deal wäre "eine gute Lösung" für die Gruppe gewesen", sagte Konzernchef Guillaume de Posch in München. Das Unternehmen sei aber gut positioniert.
"Wir werden die Gruppe aus eigener Kraft weiterentwickeln und uns auf unser operatives Geschäft konzentrieren", sagte de Posch. Er wolle das Kerngeschäft Fernsehen stärken, die Umsätze besser diversifizieren und die Gruppe für die digitale Zukunft aufstellen.
Die ProSiebenSat.1-Aktie profitierte von der abgesagten Übernahme. Sie legte am Mittwochvormittag zeitweise um 5 Prozent auf 19.75 Euro zu und notierte damit auf dem höchsten Stand seit Juni 2001.
Neue Interessenten
Über die Zukunft der Sendergruppe wurde am Mittwoch dennoch bereits heftig spekuliert. So wurden in Medienberichten die französische TF1 und die luxemburgerische SBS als Interessenten gehandelt. Ein Konzernsprecher von TF1 bestätigte in einer ersten Reaktion ein generelles Interesse des Senders.