Protest gegen Sparpläne in der Westschweiz

Tamedia - Arbeitsniederlegung bei "Tribune de Genève".

Während die Sparpläne des Medienhauses Tamedia in der Deutschschweiz keine grossen Wellen schlagen, geht ein Aufschrei durch die Westschweiz. In die Debatte schalten sich auch die Regierungen der Kantone Waadt und Genf ein.

Redaktoren der "Tribune de Genève" legten ihre Arbeit nieder. Am Mittwochmorgen demonstrierten in Genf rund 50 Journalisten gegen die Sparpläne. Ihrem Demonstrationszug schlossen sich auch Sympathisanten an. Auf Schildern hielten sie Schlagzeilen in die Höhe, wie "Ohne Journalisten keine Artikel" und "Eine Zeitung ist keine Milchkuh". Eine vom Personal der Genfer Zeitung ausgearbeitete Resolution wird auch von der Genfer Stadt- und Kantonsregierung unterstützt.

Die Regierungen der Kantone Genf und Waadt wollen ein Treffen mit den Verantwortlichen des Medienhauses Tamedia. Sie fordern präzise Informationen zum angekündigten Sparprogramm, das auch die Westschweizer Publikationen des Zürcher Unternehmens betrifft. Aus dem Kanton Waadt wollen Regierungspräsident Pierre-Yves Maillard (SP), Pascal Broulis (FDP) und Philippe Leuba (FDP) teilnehmen, wie Leuba am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte.
 
Das Treffen müsse so bald wie möglich stattfinden, sagte Broulis am Rande einer Medienkonferenz in Lausanne. Finanzdirektor Broulis fragte sich auch, weshalb eine Gewinnmarge von 15 Prozent als Ziel gesetzt wurde. Er signalisierte, dass man Tamedia nahe legen wolle, dass 15 Prozent keine glaubhafte Ertragsquote sei.

Tamedia will 34 Millionen Franken sparen
Das Medienhaus Tamedia, das auch den "Tages-Anzeiger" und den "Bund" herausgibt, will bis 2016 die Kosten um insgesamt 34 Millionen Franken senken. Davon sollen 18 Millionen Franken in der Westschweiz und 16 Millionen in der Deutschschweiz eingespart werden. Tamedia begründet das Sparprogramm mit den sinkenden Umsätzen bei Zeitschriften und Zeitungen. Es müssten Kosten gesenkt werden, um weiterhin in neue Geschäftsfelder investieren zu können und handlungsfähig zu bleiben, hiess es.

Die Auswirkungen des Sparprogramms stehen noch nicht fest. Wie viel bei welchen Medien gespart werden soll, wird erst in der zweiten Jahreshälfte entschieden. In der Westschweiz wird eine Schliessung des Boulevardblatts "Le Matin" befürchtet.

"Punkt Schluss!" im Satiremagazin
In der Romandie stösst die Entscheidung aus Zürich auch deshalb auf Unverständnis, weil Tamedia vergangene Woche einen Jahresgewinn in der Höhe von 152 Millionen Franken bekanntgab. Das Medienhaus geriet auch ins Visier von "120 secondes", dem vielbeachteten Satireprogramm von Radio "Couleur 3".



In der Sendung wird der Komödiant Vincent Kucholl täglich interviewt und spielt jeweils die Rolle einer fiktiven Person, die Auskunft zu einem aktuellen Thema gibt. Diesmal spielte er Peter Staub, Qualitätsverantwortlicher bei Tamedia. "Tamedia ist ein Unternehmen, das Gewinn machen muss! Punkt Schluss!", sagte er in holprigem Französisch mit Akzent. Das Kader müsse Entscheidungen aus Zürich umsetzen. Am Ende der Sendung verbrannte er gar eine Ausgabe von "Le Matin". Das Video der Sendung wurde bis am Mittag über 2500 Mal angesehen. (sda)

Bild: Edipresse