Kurz nach dem Auftakt des Prozesses gegen 20 Journalisten des katarischen Senders Al-Dschasira hat das Gericht in Kairo das Verfahren auf Anfang März verschoben. Die Zeugen der Anklage werden bei der Anhörung am 5. März gehört, dann beginnt auch die Prüfung der Beweise. Das erklärte das Gericht am Donnerstag. Von den 20 Angeklagten sind acht inhaftiert, alle anderen sind flüchtig oder ausser Landes. Die acht vor Gericht anwesenden Angeklagten plädierten auf nicht schuldig.
Angeklagt sind 16 ägyptische und vier ausländische Reporter, die sich dafür verantworten sollen, die verbotene Muslimbruderschaft unterstützt, sowie angeblich falsche Berichte über die Proteste in dem Land gesendet zu haben. Unter ihnen sind der australische Reporter Peter Greste, der kanadisch-ägyptische Bürochef Mohammed Fahmy und der ägyptische Produzent Baher Mohammed, die Ende des Vorjahres in Kairo verhaftet wurden.
Die Staatsanwaltschaft wirft den Ägyptern die Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vor. Zudem sollen sie der "nationalen Einheit und dem sozialen Frieden" geschadet haben. Zwei Briten, einem Australier und einem Niederländer wird vorgeworfen, mit den angeklagten Ägyptern zusammengearbeitet zu haben.
Umstrittener Sender
Die Muslimbruderschaft, aus der auch der im Juli vom Militär gestürzte Staatschef Mohammed Mursi hervorgegangen war, war im Dezember als Terrororganisation eingestuft worden. Die ägyptischen Behörden werfen Al-Dschasira vor, einseitig und parteiisch über die Proteste von Anhängern Mursis berichtet zu haben. So seien "falsche Nachrichten" gesendet worden, um den Rest der Welt davon zu überzeugen, dass in Ägypten "Bürgerkrieg" herrsche.
Dem Zwergstaat Katar, der Al-Dschasira finanziert, wird eine Nähe zu den Muslimbrüdern nachgesagt. Der arabische Kanal von Al-Dschasira ist deshalb in Ägypten nicht unumstritten. Zusammen mit dem in Ägypten inzwischen geschlossenen nationalen Ableger Al-Dschasira Mubascher Misr hatte er für die Muslimbruderschaft Partei ergriffen. Anders der auf Englisch sendende Kanal Al-Dschasira International, für den Greste, Fahmy und Mohammed tätig sind: Der internationale Kanal ist vom Muttersender redaktionell getrennt und hält sich weitgehend an BBC-Standards.