01.04.2025

Studie

Publikum bewertet SRG besser als Privatsender

Die Qualität der elektronischen Medien in der Schweiz wird vom Publikum insgesamt als gut bewertet. Dies geht aus der vom Bundesamt für Kommunikation (Bakom) in Auftrag gegebenen Publikumsbefragung 2024 hervor.

Die höchste Gesamtzufriedenheit erreicht das Online-Angebot der SRG mit einem Wert von 3,90 auf einer Skala von 1 bis 5. Knapp dahinter folgen die SRG-Radioprogramme mit 3,87 Punkten. Mit etwas Abstand werden die Lokalradios (3,76) und die SRG-Fernsehprogramme (3,72) bewertet. Die Regionalfernsehsender schneiden mit 3,46 Punkten am schwächsten ab. Das zeigt die Programmbewertung elektronische Medien 2024, die das Bakom am Dienstag veröffentlichte.

Für Studie wurden zwischen April und Juni 2024 4188 Personen ab 15 Jahren befragt. Sie zeigt unterschiedliche Zufriedenheitswerte je nach Medientyp und -angebot. Durchgeführt haben die Studie die beiden Unternehmen JS Studien + Analysen und die Marketagent.com Schweiz AG.

Bei Information SRG deutlich vor Privaten

Bei der Informationsqualität liegen die SRG-Angebote deutlich vor den privaten Veranstaltern. Das Online-Angebot der SRG führt mit 3,92 Punkten, gefolgt vom SRG-Fernsehen (3,88) und SRG-Radio (3,73). Die Informationsqualität der Regionalfernsehsender wird mit 3,59 bewertet, während die Lokalradios mit 3,48 Punkten das Schlusslicht bilden.

Anders verhält es sich bei der Unterhaltungsqualität: Hier sind die Unterschiede zwischen den Mediengattungen ausgeprägter als zwischen SRG und privaten Anbietern. Die besten Werte erzielen die Lokalradios mit 3,65 Punkten – sie sind damit die einzigen Angebote, deren Unterhaltungsqualität besser bewertet wird als ihre Informationsqualität. Es folgen die SRG-Radioprogramme (3,63), das SRG-Online-Angebot (3,52), die SRG-Fernsehprogramme (3,47) und die Regionalfernsehsender (3,24).

Regionale und konzessionsbedingte Unterschiede

Die Untersuchung zeigt deutliche regionale Unterschiede: In der Westschweiz ist das Publikum mit den SRG-Programmen von RTS zufriedener (3,84) als die Deutschschweizer mit SRF (3,68) und die italienischsprachigen Schweizer mit RSI (3,62). Auch bei den Regionalfernsehsendern schneiden die Programme in der Suisse romande mit 3,67 besser ab als jene in der Deutschschweiz (3,40) und der Svizzera italiana (3,45).

Konzessionierte Programme mit Abgabenanteil erhalten durchweg bessere Bewertungen als Programme ohne Abgabenanteil. Besonders deutlich wird dies bei den Regionalfernsehsendern: Die Informationsqualität der konzessionierten kommerziellen Programme mit Abgabenanteil liegt bei 3,64, während nicht konzessionierte kommerzielle Angebote nur 3,39 Punkte erreichen.

Reputationsvorsprung der SRG

Erstmals hat die Studie auch die Reputation der Medienveranstalter untersucht. Obwohl die Reputationsprofile der SRG und der privaten Medienveranstalter ähnlich sind, wird die SRG in allen Dimensionen deutlich besser bewertet. Auf einer Skala von 1 bis 5 erreicht die SRG einen Gesamtwert von 3,56, während private Veranstalter mit 3,00 eine neutrale Reputation aufweisen.

Am stärksten ausgeprägt ist bei allen Veranstaltern die «funktionale Dimension», die die unmittelbare Leistung als Anbieter von Medieninhalten bewertet. Etwas schwächer wird die «soziale Dimension» wahrgenommen, die den gesellschaftlichen Beitrag erfasst. Am schwächsten ausgeprägt ist die «expressiv-emotionale Dimension», die die Bindung des Publikums an den Veranstalter widerspiegelt.

Die Studie stellt fest, dass die SRG als Service-Public-Organisation einen Vertrauensvorschuss gegenüber kommerziellen Medienunternehmen geniesst und ein «scharf konturiertes Image» hat, während private Veranstalter den Nachteil haben, «nicht als klar umrissener und schweizweit einheitlich auftretender Akteur beim Publikum präsent zu sein.»

Insgesamt zeigt die Studie eine relative Stabilität der Programmbewertungen über die Jahre, wobei nach schwächeren Bewertungen 2022 die elektronischen Medien aktuell wieder ein höheres Niveau erreichen. Allerdings ist eine tendenzielle Abnahme der Zufriedenheit in den letzten Jahren zu beobachten, was auf gestiegene Erwartungen des Publikums hindeutet. (pd/nil)


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