Der Bereich Zeitungen, der die Blick-Titel sowie "heute" und das Sport-Magazin umfasst, bleibt das Sorgenkind des Medienhauses Ringier. Dessen Umsatz sank im vergangenen Jahr um 3.6 Prozent auf 193.5 Millionen Franken. Negativ ins Gewicht fällt dabei vor allem die Auflagenentwicklung von Blick und SonntagsBlick. Sie ist laut Ringier-CEO Martin Werfelli "äusserst unbefriedigend" auch wenn die negative Auflagenentwicklung beim Blick verlangsamt werden konnte. Auch Im Werbemarkt vermochten sich die beiden Titel nur knapp zu behaupten; beide verloren leicht an Marktanteilen.
Wie weiter also mit den beiden beiden kriselnden Boulevardblättern Blick und SonntagsBlick? "Es laufen derzeit Projekte, welche die beiden Titel sehr stark verändern werden", erklärte Verleger Michael Ringier an der Jahrespressekonferenz in Zürich. Um den Blick wieder auf Kurs zu bringen, hat Ringier zwei Projektgruppen eingesetzt, welche in den vergangenen Wochen fieberhaft an einem Neukonzept arbeiteten. Die eine stand unter der Federführung des deutschen Medienprofis Claus Larass, die andere unter des am Mittwoch zurückgetretenen Blick-Chefredaktors Werner De Schepper.
Erste Veränderungen beim Blick im Herbst sichtbar
Einem Bericht des Tages-Anzeigers zufolge wurden beide Konzepte vom Verwaltungsrat abgeschossen. Gegenüber "persoenlich.com" dementierte Martin Werfeli diese Meldung. "Beide Gruppen haben Hervorragendes geleistet und viele Ideen gebracht." Nun soll eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Patrick Vogt, Leiter Zeitungen bei Ringier, die besten Ansätze sammeln, die sowohl den Inhalt als auch das Verlagsgeschäft betreffen. Welche Neuerungen am Blick vorgenommen werden, werde erst bei der Umsetzung bekannt geben. Erste Veränderungen sollen laut Werfeli im Spätherbst zu sehen sein. Möglich sei auch, dass das Format variiert werde, eine Rückkehr zum Broadsheet sei allerdings ausgeschlossen.
Auch beim SonntagsBlick stehen konzeptuelle Veränderungen an, wenn auch nicht derart weit reichend wie beim Blick. Marc Walder, der vor gut einem Monat die Chefredaktion übernommen hat, hat einen beträchtlichen Teil der Redaktion umformiert. Werner De Schepper wird nach einer Auszeit als "Chefredaktor Politik" zum Blick/SonntagsBlick stossen. In den kommenden Monaten soll sich auch entscheiden, was mit der Hochglanz-Beilage "Sie + Er" passieren soll, die nie die Akzeptanz der Werbewirtschaft gefunden hat. Martin Werfeli schätzt gegenüber "persoenlich.com", dass man an der Beilage trotz allem mit nahezu "100-prozentiger Sicherheit" festhalten werde. Um die Renovation von "Sie + Er" kümmert sich derzeit Marc Walder.
Zusammenlegung der Redaktionen 'Blödsinn'
Die These des Tages-Anzeigers, wonach ein Zusammengehen der Redaktionen von SonntagsBlick und Blick forciert werde, um Kosten zu sparen, betitelt Werfeli als "Blödsinn". Bereits heute bedienen sich beide Titel der Berichterstattung der gemeinsamen Sportredaktion. Eine engere Zusammenarbeit kann es laut Werfeli bei der Bundeshaus-Berichterstattung geben. Weitere Möglichkeiten der Kooperation sind laut Werfeli denkbar. Dass De Scheppers Abgang nur einen Monat nach demjenigen Christoph Grenachers nicht freiwillig erfolgte, stellt die Ringier-Führung vehement in Abrede. "Wir wären froh gewesen, wenn er bleibt", erklärte Michael Ringier an der Konferenz. Bei De Schepper sei gemäss seinen eigenen Aussagen "die Luft draussen gewesen". Zum Abgang habe auch die erhöhte Belastung in Zusammenhang mit der Konzeptarbeit in der Projektgruppe geführt.
Auffallend ist, dass Ringier in den vergangenen Wochen die wichtigen Stellen bei den Boulevardblättern mit Personen besetzt hat, welche bereits in Diensten von Ringier stehen. Täte den krisenerprobten Zeitungsredaktionen nicht frisches Blut gut? "Angesichts der Komplexität der Aufgaben, ziehen wir es vor, die Posten mit Personen zu besetzten, die wir gut kennen", begründet Werfeli. Kann daraus auch abgeleitet werden, dass auch der Chefredaktorenposten des Blicks intern besetzt wird? "Die Besetzung wurde noch nicht diskutiert, entschieden ist noch nichts", so Werfeli. Der Ringier-CEO verweist darauf, dass es in der Schweiz eine ganze Reihe von Chefredaktoren gebe, die in der Laufbahn bereits bei Ringier gearbeitet haben und für das Amt in Frage kämen.
Im Gegensatz zum Blick und SonntagsBlick zeigt sich das Haus Ringier mit der Leserentwicklung des Abendblatts "heute" sehr zufrieden. Alle Zeichen deuten daraufhin, dass sich der Gratistitel im Markt etablieren kann. "Immer mehr Leser greifen zu 'heute'. Wir sind sehr optimistisch", freut sich Michael Ringier. Am Freitag erreiche das Blatt bereits eine verteilte Auflage von über 210'000 Exemplare, unter der Woche sind es 190'000: "Irgendwann wird dies auch die Werbeindustrie merken", befand Ringier. Die Ringier-Leitung geht davon aus, dass dieser Zeitpunkt kommt, sobald "heute" der Werbewirtschaft beglaubigte Leserzahlen vorlegen kann.

