Nach der gestrigen Verwirrung um die offizielle Stellungnahme der Stadt Zürich ("persoenlich.com" berichtete), wird nun Kritik laut am Vorgehen des Zürcher Regierungsrats zu den Konzessionsgesuchen der Lokalradios. Zwei Bewerber äussern Zweifel am Vorgehen des Kantons. Der Vorwurf: Der Regierungsrat habe ihm genehme Sender zu informellen Gesprächen eingeladen, anderen dagegen diese Möglichkeit verwehrt.
Zeigen sich damit bloss jene Bewerber als schlechte Verlierer, die keine Empfehlung der Kantonsregierung erhalten haben? Soviel ist sicher: Roger Schawinski wurde vom zuständigen Regierungsrat Markus Notter zu einem informellen Gespräch empfangen, wie er selbst auf Anfrage von "persoenlich.com" bestätigt. Auch die Tamedia durfte bei Notter ihre Sichtweise darstellen. Kein Gehör fand dagegen Energy Zürich-Chef Dani Büchi. Dessen Gesprächsangebot blieb unbeantwortet. "Ich warte heute noch auf den Rückruf des zuständigen Regierungsrats", sagt Büchi auf Anfrage von "persoenlich.com".
Nicht viel anders erging es Music-First-Chef Giuseppe Scaglione. Auch er hat vergeblich um einen Besprechungstermin gebeten. "Uns wurde mitgeteilt, dass man 'aus Gleichbehandlungsgründen' die Bewerber nicht persönlich anhören wird." Dass sich nun im Nachhinein herausstellt, dass andere Bewerber informelle Gespräche mit dem zuständigen Regierungsrat führten, bringt den kämpferischen Radiomann auf die Palme: "Diese Ungleichbehandlung von Bewerbern ist nicht nachvollziehbar." Er erhielt den Eindruck, dass es dem Regierungsrat gar nicht darum ging, sich ein objektives Bild zu machen.
Im Gegensatz zu den Radiosendern konnten die beiden Bewerber um die TV-Konzession -- TeleZüri und Tele Top ihre Gesuche vor dem Regierungsrat präsentieren und auftretende Fragen klären. Weshalb wurde diese Möglichkeit nicht auch den Radiosendern eingeräumt? Laut Susanne Sorg-Keller, Sprecherin des Zürcher Regierungsrats, wäre es zu aufwändig gewesen, alle Bewerber um die Radiokonzessionen für eine Präsentation einzuladen. "Die Unterlagen der Bewerber waren aussagekräftig genug."
Sorg hält die informellen Treffen des Regierungsrates mit einzelnen Gesuchstellern für unproblematisch: "Wir leben in einer Medienrealität, in der sich die Exponenten aus Politik und Medien ohnehin stets über den Weg laufen. Es findet ein permanenter Austausch zu verschiedensten Themen statt." Beeinflussungsversuche, die den Regierungsrat in seiner Entscheidungsfindung behindert hätten, habe es keine gegeben. Dieser habe frei entschieden.