Radiosender profitieren von Musikpiraterie

USA - Downloadplattformen geben Aufschluss über Hörgewohnheiten.

Radiostationen in den USA versuchen das Problem der Musikpiraterie in einen eigenen Vorteil umzuwandeln. Das zu Clear Channel gehörende Unternehmen Premiere Radio Networks und andere Marketingfirmen haben damit angefangen, Informationen über die populärsten Downloads auf illegalen Plattformen zur erheben und an Sender weiter zu verkaufen. Die Radiostationen beobachten dann anhand der Infos, welche Songs und Alben am häufigsten über die Downloadportale ausgetauscht werden, berichtet das Wall Street Journal. Danach gestalten sie auch ihr eigenes Programm und hoffen so, genau den Nerv der Hörer zu treffen und ihr Publikum zu erweitern. Das wiederum würde sich dann positiv auf das Werbegeschäft und damit auf die Einnahmen der Sender auswirken.

In den USA gehen die Vermarkter von Download-Informationen sogar davon aus, dass ihre Dienste auch den Plattenfirmen dienlich sein könnten. Immerhin sei das Spielen von Songs im Radio immer noch der wichtigste Einfluss auf die Verkaufszahlen. Für viele klingt es dennoch beinahe ironisch, dass sich ausgerechnet gestohlene Musik auf das legale Geschäft positiv auswirken soll. Im vergangenen Jahr sind in den USA die Musikverkäufe erneut um sieben Prozent zurückgegangen, davor 2005 um drei Prozent. Es könne allerdings keine Lösung sein, das illegale Filesharing einfach zu ignorieren, argumentiert etwa BigChampagne LLC, ein weiterer US-Download-Vermarkter. Das Unternehmen nutzt zudem nicht nur die Informationen von illegalen Plattformen, sondern lässt auch Daten von legalen Portalen wie iTunes in seine Recherchen einfliessen. (pte)