Packen und Kisten schleppen: Am Mittwoch, 25. Januar, zügelt die gesamte achtköpfige Redaktion der DRS1-Sendung "Espresso" vom Radiostudio an der Brunnenhofstrasse ins Fernsehstudio Leutschenbach. Grund für den Umzug: die Konvergenz-Strategie des Schweizer Radio und Fernsehens. Geplant ist, ab Februar die täglichen "Espresso"-Sendungen aus dem Fernsehstudio zu senden.
Neues Radiostudio eingebaut
Die Zusammenlegung der Redaktionen von "Kassensturz" und "Espresso" zur neuen Konsumredaktion mit dem Doppelnamen "Kassensturz/Espresso" ist eine erste konkrete Massnahme im Zusammenhang mit der 2010 beschlossenen Konvergenz-Strategie. Um die Redaktionen zu vereinen, hat SRF im Fernsehstudio eigens ein vollständig neues Radiostudio mit Schaltpult, Mikrophon und Gästemikrophonen eingebaut (vgl. Bild unten).
Ähnliches hat SRF bereits für "Zambo" vollzogen. Die trimediale Kindersendung wird für die drei Kanäle Radio, TV und Online von einer einzigen Redaktion produziert. Und seit Anfang Januar sitzt auch die "Gesundheit Sprechstunde"-Redaktorin von Radio DRS1 in den Redaktionsräumen der SF-Sendung "Puls". Ähnlich konvergente Redaktionen plant SRF als nächstes in den Bereichen Kultur und Sport.
Rechercheergebnisse mehrfach nutzen
Die räumliche Nähe durch die gemeinsamen Arbeitsplätze im Leutschenbach macht die Zusammenarbeit der Redaktionen von "Kassensturz" und "Espresso" einfacher. So sollen neu Themenvorschläge an regelmässigen Sitzungen gemeinsam diskutiert werden. Laut Redaktionsleiter Wolfgang Wettstein (vgl. Bild unten), will man so genauer herausarbeiten, welche Aspekte über welches Medium am besten vermittelt werden können. Interviewmaterial und Rechercheergebnisse sollen für alle drei Kanäle genutzt werden können: Für Radio, Fernsehen und Online.
Zwei Online-Redaktoren betreuen Webseite
"Online hat dabei eine grosse Bedeutung", erklärt Wettstein. Nutzwertgeschichten etwa oder Testergebnisse, die in den "Kassensturz"- oder "Espresso"-Sendungen nur kurz gebracht werden können, werden im Internet nochmals publiziert und mit Testresultaten, Tipps, Merkblättern, Interviews und Texten zu weiteren Aspekten angereichert. Um den Online-Auftritt zu bewirtschaften, wurden eigens zwei Online-Redaktoren angestellt.
Sendungen sollen eigenständig bleiben
SRF will die Marken "Espresso" und "Kassensturz" erhalten. Die beiden Brands sollen ihr Profil nicht verlieren. Dazu wurde für "Espresso" ein eigenes Logo kreiert (vgl. Bild unten). Es ist bereits auf kassensturz.sf.tv zu sehen und soll ab Sendestart am 1. Februar auf dieser Webseite noch prominenter platziert werden.
Die klare Unterscheidung der beiden Sendungen sei zentral, dies wurde auch im Sendekonzept so festgehalten. "Es ist schriftlich festgehalten, was die Sendungen Kassensturz und Espresso ausmacht, wie ihre Profile aussehen und was sie unterscheidet", erklärt Wettstein gegenüber persoenlich.com. "Es liegt an der Redaktionsleitung, darauf zu achten, dass beide Marken gepflegt und die Profile nicht abgeschliffen werden." Dazu gebe es die wöchentliche, schriftlich vorliegende Sendekritik. Zudem sei Espresso eine tägliche Radiosendung, die sehr schnell auf Aktualität reagieren könne und serviceorientierter sei. "Kassensturz hingegen ist ein Wochenmagazin, dass dafür längere Recherchegeschichten bietet und Tests zeigt. Die Gefahr, dass beide Sendungen zu ähnlich daherkommen ist deshalb gering," so Wettstein.
Keine Auswirkungen auf Themenvielfalt
Doch inwiefern besteht die Gefahr, dass durch die Zusammenlegung der beiden Redaktionen die Themenvielfalt kleiner wird? "Über diese mögliche Gefahr haben wir uns Gedanken gemacht. Und sind zum Schluss gekommen, dass es genau umgekehrt ist: Mit der gemeinsamen Redaktion Kassensturz/Espresso entsteht ein Kompetenzzentrum, welches das breite Know-how der Journalisten optimal nutzt um die Themenvielfalt auf allen drei Kanälen zu erhöhen." Wettstein ist davon überzeugt, dass die enge Zusammenarbeit einen höheren Input von Konsumthemen bringe.
Durch die Redaktionszusammenlegung arbeiten nun insgesamt 30 Mitarbeitende für "Kassensturz/Espresso". Einen Stellenabbau gebe es nicht, wie Wettstein erklärt. "Die gewonnenen Synergieeffekte fliessen ins Online, dort wollen wir künftig Mehrwert bieten." "Kassensturz" behalte sein bisheriges Konzept, an der Sendung wird sich vorerst nichts verändern. Anders bei "Espresso": Die Radiosendung wird künftig nicht mehr von wechselnden Redaktoren bestritten, sondern bekommt neu drei fixe Moderatoren. Wer diese Moderatoren sind, lesen Sie auf hier. (eh)