Reflektionen über Medien und Manipulation

Bieler Kommunikationstage - "Wir erleben heute eine Art Glaubwürdigkeitskrise der grossen Medien."

Die Bieler Kommunikationstage sind am Freitag mit Reflektionen über Medien und Manipulation zu Ende gegangen. Während zwei Tagen verfolgten über 700 Eingeladene aus Telekommunikation, Wirtschaft und Politik insgesamt 36 Debatten und Reden.

"Wir erleben heute eine Art Glaubwürdigkeitskrise der grossen Medien, die Glaubwürdigkeit befindet sich manchmal im freien Fall." Diese alarmierende Feststellung machte Ignacio Ramonet, Präsident des Direktoriums der Zeitung Monde diplomatique. Er habe den Eindruck, dass die Gesellschaften die Medienmanipulation nicht mehr akzeptierten. Zur Illustrierung seiner Analyse nannte Ramonet "die Lügen der Bush-Regierung" über die Massenvernichtungswaffen in Irak, eine Behauptung, die von den grössten Medien in den USA -- ohne überprüft zu werden -- übernommen worden sei. Ein anderes Beispiel: Die vom spanischen Staat und mehreren grossen spanischen Medien erhobene ETA-Verbindung nach dem Attentat vom 11. März in Madrid.

Sonntagspresse instrumentalisiert

Nach Ansicht des früheren jurassischen Nationalrates François Lachat "lässt sich die schweizerische Sonntagspresse instrumentalisieren", weil sie "geplante Indiskretionen" weitergebe. Den Journalisten und Journalistinnen riet Lachat: "Gehen Sie zur Politik und warten Sie nicht, bis die Politik zu Ihnen kommt." Bundesrat Moritz Leuenberger unterstrich die Wichtigkeit einer ethischen Reflektion über die Rolle der Medien. Augenzwinkernd fügte der Medienminister an, die 60 Minuten, die am Wochenende bei der Umstellung auf die Winterzeit "gewonnen" würden, nicht mit dem Konsum von Medien zu füllen.