15.08.2013

Weltwoche

Rega wirft "gröbste Recherche-Fehler" vor

Artikel um Ernst Kohler mit Gegendarstellung angeprangert.
Weltwoche: Rega wirft "gröbste Recherche-Fehler" vor

Zuerst Ärger mit dem TCS, dann mit der "Weltwoche". Bei der Schweizerischen Rettungsflugwacht will keine Ruhe einkehren. Nachdem die "Weltwoche" mehrmals über verschiedene Vorgänge auf der Teppichetage der Rega berichtete, publizierte sie am Donnerstag einen weiteren Artikel mit dem Titel "Kohlers Seilschaft aus den Bergen", der den Rega-Chef Ernst Kohler massiv belastet – oder zumindest belasten sollte.

Im Artikel prangert Autor Christoph Landolt den aus seiner Sicht nicht gerechtfertigt hohen Lohn von Rega-Chef Ernst Kohler an. Um dies zu untermauern, folgt eine Beleuchtung zahlreicher Stationen aus Kohlers beruflicher Laufbahn bei der Rega, in denen verschiedenste Personen – als "Berner Oberländer" bezeichnet – eine wesentliche Rolle gespielt haben sollen. 

"Beziehungsfilz" immer wieder betont
Die Rede ist von überdurchschnittlich hohen Pensionskassenbeiträgen an die Kaderleute, vom Verlust des Zewo-Gütesiegels oder von der ungenügenden Kenntnis Kohlers im Bereich Luftverkehr. Auch die internen Folgen eines Vorfall bei einer Notlandung eines Rega-Helikopters im Jahre 2010 stellt Landolt in Frage. CEO Kohler und ein weiterer Verantwortlicher hätten es unterlassen, den Vorfall dem Bundesamt für Zivilluftfahrt zu melden: "...nicht nur 'vergessen' den Vorfall zu melden, sondern wollten sie ihn gar aktiv vertuschen?", so der Text.

Insbesondere betont der Autor immer wieder den "Beziehungsfilz", welcher in der gemeinnützigen Stiftung vorhanden sei. Die verschiedensten Personen, die im Artikel des Journalisten eine Rolle spielen, sind gemäss ebendiesem auf fragwürdige Art und Weise miteinander verflochten. "Loyalität ist wichtiger als Kompetenz", schreibt er.

Rega reagiert sofort mit einer Gegendarstellung
Das Rettungsunternehmen will dies nicht auf sich sitzen lassen und holt sogleich zum Gegenschlag aus. Mittels einer am Donnerstagnachmittag auf der Webseite veröffentlichten Medienmitteilung stellt die Rega ihre Position dar. Darin wirft sie dem Journalisten "gröbste Recherche-Fehler" vor. Im dreiseitigen PDF-Dokument befindet sich eine Tabelle, welche alle "Fehler" des Journalisten samt Gegendarstellung bzw. Berichtigung auflistet. Das Schreiben trägt den Titel: "Wie viele Fehler darf ein einzelner Journalist eigentlich machen?"



Auszüge aus der "Fehler-Tabelle" in der Medienmitteilung der Rega 

Rega will keinen Konflikt mit der "Weltwoche"
Bleibt es bei dieser schriftlichen Gegendarstellung oder wird die Rega weitere Schritte unternehmen? Auf Nachfrage von persoenlich.com prüft die Rega derzeit, ob gegen den Artikel juristisch vorgegangen werden soll. Es sei noch zu früh, das genau Vorgehen zu beurteilen, sagt Kommunikationschef Sascha Hardegger. Von Seiten der "Weltwoche" habe man nach Veröffentlichung der Stellungnahme nichts mehr gehört – bis gestern sei man bezüglich der Artikelserie in Kontakt gewesen. "Wir haben kein Interesse an einem Konflikt mit der 'Weltwoche', aber es geht uns darum, unsere Mitarbeiter zu schützen", sagt Hardegger am Telefon. Mit der unmittelbaren Stellungnahme in dieser Form wollte die Rega aufzeigen, dass der Artikel von Landolt nicht auf seriösen Quellen beruhe: "Die Faktenlage wurde nur ungenügend abgeklärt."

Text: Lea Friberg, Bild: Keystone

 



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