Einen Tag nach der Festnahme zweier Mitarbeiter der regierungskritischen Zeitung «Sözcü» in der Türkei ist das Blatt aus Protest mit leeren Seiten erschienen. Die Samstagsausgabe trug die Überschrift «19. Mai Spezialausgabe zur Pressefreiheit» – die übrigen 19 Seiten der Zeitung blieben leer.
Nur wenige Stunden nach der Festnahme der Verantwortlichen für den Online-Auftritt der Zeitung, Mediha Olgun, sei der für die westtürkische Metropole Izmir verantwortliche «Sözcü»-Korrespondent
Gökmen Ulu ebenfalls in Polizeigewahrsam genommen worden, hatte die Nachrichtenagentur DHA am Freitagabend gemeldet. Der Herausgeber des Blattes, Burak Akbay, gegen den ebenfalls einen Festnahmebefehl vorliegt, hält sich nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu im Ausland auf.
«Sözcü» ist mit einer Auflage von 270 000 Exemplaren die drittgrösste Zeitung der Türkei. Die türkische Staatsanwaltschaft hatte am Freitag vier «Sözcü»-Mitarbeiter zur Fahndung ausgeschrieben, darunter auch Olgun, Akbay und Ulu.
Den Verdächtigen werde nach Angaben von Anadolu vorgeworfen, Straftaten zugunsten der Gülen-Bewegung begangen zu haben, ohne der Organisation anzugehören. Die türkische Regierung macht die Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch vom Juli vergangenen Jahres verantwortlich.
Die regierungsnahe Zeitung «Sabah» berichtete, bei den Vorwürfen gegen «Sözcü» gehe es um einen Bericht vom 15. Juli 2016, in dem das Blatt den Ferienort von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan
öffentlich machte. Stunden später begann der Umsturzversuch, bei dem Putschisten das Hotel in Marmaris angriffen. Erdogan war kurz zuvor abgereist. (sda/dpa/tim)