Expansion im Zeitungsbereich geplant
Den Unternehmensbereich "Zeitungen" (Redaktionen und Verlagsbereiche) führt künftig Jürg Brauchli, der stellvertretende Vorsitzende der Unternehmensleitung. Die Tamedia versteht dies als Stärkung von SonntagsZeitung und Tages-Anzeiger. Zudem möchte das Unternehmen in Zukunft eine führende Rolle im Markt der Schweizer Regionalzeitungen einnehmen.
"Wir wollen das Feld nicht der NZZ überlassen!", erklärt Konzernsprecher Peter Hartmeier auf Anfrage von "persoenlich.com" kämpferisch. Denkbar seien Kooperationen oder Übernahmen. Welches Modell dabei konkret zum Tragen komme (NZZ, AZ, Südostschweiz) lasse sich nicht so pauschal sagen. "In der föderalistischen Schweiz gibt es nicht ein einziges Regionalzeitungsmodell für alle Regionen." Wichtig sei die Stärke und Unabhängigkeit jedes einzelnen Titels. Erste Gespräche mit möglichen Partnern hätten bereits stattgefunden, genaueres will Hartmeier aber nicht verraten.
Bereich 'Zeitschriften'
Den Unternehmensbereich "Zeitschriften" übernimmt neu Alexander Theobald, der für verschiedene Projekte der vergangenen Jahre die Verantwortung trug. Seine Aufgabe werde es sein, die "Stellung der Tamedia als bisherige Nummer zwei im Schweizer Zeitschriftenmarkt auszubauen", heisst es in der Mitteilung. Theobalds Vorgänger René Gehrig habe sich "entschlossen", das Unternehmen zu verlassen. -- "Wir haben dem nichts hinzufügen", so Hartmeier.
'Elektronische Medien'
Für den Unternehmensbereich "Elektronische Medien" zeichnet der bisherige Leiter des Rechtsdienstes, Andreas Meili, verantwortlich. Er war für die Akquisition von Radio Basilisk verantwortlich. Ihm wurde nun die Umsetzung der Radiostrategie übertragen, die sowohl die Akquisition von Lokalradios (Hartmeier: "Basilisk war erst der Anfang!") wie auch die Kooperation mit ihnen umfasst. Zudem habe Meili mit seinem Team laut Aussendung "den grossen Zuschauer-Erfolg von TeleZüri im Werbemarkt nutzbar zu machen".
Neue publizistische Gremien
Die publizistische Führung des Hauses bleibt bei Hans Heinrich Coninx, Verleger und Präsident des Verwaltungsrates. Seine Stellvertretung in allen publizistischen Fragen übernimmt Martin Kall. Gleichzeitig konstituiert sich eine publizistische Konferenz unter dem Vorsitz von Hans Heinrich Coninx und Martin Kall als seinem Stellvertreter. Mitglieder sind alle Chefredaktoren, Programmleiter, der Online-Leiter und der Leiter Unternehmenskommunikation. Die PK diskutiere die publizistische Ausrichtung der einzelnen Titel, sie reflektiere die Inhalte und berate die publizistische Führung in allen journalistischen Fragen, heisst es in der Medienmitteilung. Zudem bildet der Verleger Hans Heinrich Coninx einen publizistischen Beirat, dessen Mitglieder im August zum Zeitpunkt des Halbjahresberichts bekannt gegeben werden sollen.
Gibt es künftig also auch an der Werdstrasse einen Chefpublizisten? "Nein, eben nicht", meint der Konzernsprecher energisch gegenüber "persoenlich.com". "Der Verleger gewährleistet die journalistische Unabhängigkeit der einzelnen Titel." Die Gefahr des Konzernjournalismus ergebe sich wegen der Unternehmenskultur der Tamedia erst gar nicht. Diskutiert werde in der publizistischen Konferenz grundsätzliche journalistische Fragen. Aber nicht nur: "Chefredaktoren sind zuweilen sehr einsam. Da braucht es Begegnung. Wir bieten ein Gremium, in dem man sich bei Bedarf austauschen kann."
Für einen Chefredaktor hat die Neuorganisation besonders weit reichende Konsequenzen. Tages-Anzeigers-Chef Philipp Löpfe tritt aus der Unternehmensleitung aus. Eine Desavouierung? "Löpfe ist faktisch der zweitwichtigste Mann im Haus. Sein Gewicht hat aber nichts mit einem Einsitz in der Unternehmensleitung zu tun", so Hartmeier. Es sei wichtig, dass Chefredaktoren vom Administrativen entlastet würden, damit sie sich voll und ganz ihrem Blatt widmen können.
Übersichtlicher und eindeutiger Unternehmensleitung
Die neue Struktur mache die Führung durch den Vorsitzenden der Unternehmensleitung übersichtlicher und eindeutiger, heisst es in der Pressemitteilung weiter. Kall sind die vier Unternehmensbereiche "Zeitungen", "Zeitschriften", "Elektronische Medien" und "Finanzen" unterstellt (den Unternehmensbereich "Tochtergesellschaften" führt er selbst) sowie die vier Stabsbereiche "Kommunikation", "Recht", "Personal" und das Effizienzprogramm "Focus". Patrick Eberle, Mitglied der Unternehmensleitung, führt (wie angekündigt bis Ende März 2003) den Unternehmensbereich "Finanzen", Peter Höhener den Bereich "Personal-Management", Peter Hartmeier den Bereich "Unternehmenskommunikation" und Marius Hagger "Focus".