Am Montag war SDA-Verwaltungsrat Matthias Hagemann im Talk von Tele Basel zu Gast und sprach über den Abbau bei der Nachrichtenagentur und den damit verbundenen Streit zwischen Redaktion und Führung. Bereits letzte Woche gab er «Watson» in einem Interview Auskunft.
Einige Äusserungen Hagemanns sorgten bei der SDA-Redaktion offenbar für Ärger. Auf dem Blog «Inside SDA/ATS» wendet sich die Redaktionskommission (Reko) am Dienstag in einem offenen Brief an den SDA-Verwaltungsrat, welcher auch Verwaltungsratspräsident von Radio Basilisk ist. Impressum und Syndicom verschickten das Schreiben als Medienmitteilung. Insgesamt 14 Aussagen von Hagemann stellt die Reko darin richtig. «Unsere Angaben basieren auf Zahlen und Fakten», schreibt sie. Solche versuchten sie in ihrer Arbeit als SDA-Journalisten täglich zu vermitteln.
Frühpensionierungen ohne Unterstützung
Hagemann sagte zum Beispiel, dass «es sich um zwölf Frühpensionierungen» handle. Das sei «beschönigend», schreibt die Reko. Frühpensionierte seien mit erheblichen finanziellen Einbussen auf sich selbst gestellt. CEO Markus Schwab habe der Redaktion gesagt, dass es sich bei den Entlassungen der über 60-jährigen Kolleginnen und über 61-jährigen Kollegen um Kündigungen handle. Wer sich frühpensionieren lassen wolle, müsse das ohne Unterstützung der SDA tun.
Auf die Kritik an CEO Schwab angesprochen, sagte Hagemann gegenüber Tele Basel, dass dieser es geschafft habe, bis im Jahr 2018 die SDA-Redaktion von Abbaumassnahmen freizuhalten. Laut Reko zeigen die Zahlen etwas anderes. «Zwischen 2003 und 2016 wurde der Personalbestand der SDA-Redaktion um 23,45 Prozent gekürzt.»
Liebe Redaktionskolleginnen und -kollegen von @Radio_Basilisk/@radiobasilisk, könnt ihr die Worte eures Chefs bestätigen? Also: Fehlt euch nichts, wenn die @inside_sda-Belegschaft streikt? Bitte um PN jeglicher Art, merci! https://t.co/HS3FRzoirv
— Sebastian Gänger (@sebigaenger) 26. Februar 2018
Zum Thema Notwendigkeit der SDA sagte er: «Bei Radio Basilisk haben wir beim ersten Streik gemerkt, dass wir es auch ohne SDA könnten.» Zahlreiche Rückmeldungen von Kolleginnen und Kollegen aus Kundenredaktionen hätten anders getönt, schreibt die SDA-Redaktion im Blogpost. Es könnte sein – so die Reko –, dass die Verwaltungsräte und Verleger wegen ihrer Distanz zum journalistischen Tagesgeschäft die Realität etwas aus den Augen verloren hätten. (wid)