Die neue Chefredaktorin des US-Senders CBS hat an diesem Wochenende die Ausstrahlung einer Reportage über die Folgen der brutalen Abschiebungen durch die Trump-Administration blockiert. Die Autorin des Beitrags sprach laut Presseberichten von «Zensur» und einer «politischen Entscheidung».
Die Investigativsendung «60 Minutes» sollte am Sonntagabend einen Beitrag ausstrahlen, in dem venezolanische Migranten zu Wort kommen, die im März von US-Behörden nicht in ihr Heimatland, sondern in das Hochsicherheitsgefängnis El Salvadors abgeschoben wurden. Wenige Stunden vor der Ausstrahlung gab CBS bekannt, die Reportage werde «in einer künftigen Sendung» gezeigt. Laut einem in US-Medien zitierten internen E-Mail der Journalistin Sharyn Alfonsi traf Bari Weiss, langjährige Kritikerin progressiver Medien, die Entscheidung zur Blockierung.
Alfonsi bezeichnete den Beitrag als «faktisch korrekt». Ihn jetzt zurückzuziehen, nach allen gründlichen internen Prüfungen, entspreche «keiner redaktionellen Entscheidung, sondern einer politischen Entscheidung». Der Beitrag «benötigt weitere Überarbeitung», erklärte CBS in einer Stellungnahme, die von der New York Times zitiert wird.
Weiss wurde im Oktober zur Chefredaktorin von CBS News ernannt, weniger als drei Monate nach der Übernahme von Paramount, der Muttergesellschaft von CBS, durch Skydance. Das Unternehmen gehört der Familie Ellison, die Trump nahesteht. Im Sommer hatte Paramount 16 Millionen Dollar gezahlt, um eine Klage Trumps gegen «60 Minutes» beizulegen. (sda/spo)