Ringier-Chef warnt vor Nichtstun

Werbeallianz - Ringier-CEO Marc Walder sieht die Spaltung der Verlagsbranche als «historischen Fehler».

von Michèle Widmer

Wenige Tage nach Bekanntgabe des Entscheides der Wettbewerbskommission (Weko), in welchem die Werbeallianz  ohne Auflagen bewilligt wurde, äussert sich Ringier-CEO Marc Walder am Samstag in der Neuen Zürcher Zeitung zur geplanten Firma.

Für Walder ist die Gründung einer neuen Werbeallianz unumgänglich, da die amerikanischen Firmen Google und Facebook im Begriff seien, den Markt zu übernehmen. Die Konsumenten – so Walder – änderten ihr Verhalten ständig. So seien 94 Prozent der Schweizer Haushalte bei Google oder Youtube, 85 Prozent bei Facebook. Deswegen mache das Joint Venture zwischen der SRG, der Swisscom und Ringier auch Sinn, da es auf diese Entwicklungen Antworten gäbe. Ob die Realisierung gelinge, sei hingegen noch nicht sicher.

Fatal wäre es hingegen, so Walder, nichts zu machen. Und zwar für die ganze Branche. Walder lehnt im NZZ-Gespräch auch den Vergleich der Werbeallianz mit der untergegangenen PubliGroupe ab. Auf den Entscheid des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom), wonach sich die SRG vorläufig nicht am Konstrukt beteiligen dürfe, mochte er nicht weiter eingehen.

Joint Venture immer noch für alle offen

Im Interview äussert sich der Ringier-CEO nochmals zum Austritt von Ringier aus dem Verband Schweizer Medien. Die Konfrontation, welche von Tamedia «angetrieben» worden sei, sei ein «historischer Fehler». Trotzdem sei die Werbeallianz immer noch für mögliche Partner offen.

Walder verwehrt sich auch gegen die vielfache gehörte Behauptung, wonach die SRG und Swisscom bereits früher bei andern Verlagshäuser vorstellig geworden seien. «Das ist Unsinn», so der Ringier-CEO. In jenen Gesprächen sei es um die Evaluierung einer technischen Plattform gegangen. Heute hingegen gehe es um eine gemeinsame Vermarktungsfirma, an der sich alle beteiligen können.

Neues Interessens-Konstrukt

Es gebe eine alte und eine neue Medienwelt, erklärt Walder im Interview. Die drei Koalitionspartner gehörten letzteren an. Die Mitglieder des Verlegerverbands müssten sich entscheiden, wo sie hingehörten. In diesem Zusammenhang habe es viele Anfragen gegeben. Auf die Frage, wann er einen Konkurrenzverband gründen werde, sagt er: «Ich würde nicht ausschliessen, dass ein Interessenkonstrukt zustande kommen wird, in dem sich Unternehmen bündeln, die für die neue Medienwelt stehen.» (ma/wid). 

Bild: Keystone