"Ringier hat Appetit auf mehr"

Karl Lüönd - Publizist anaylisiert Ringier/Axel Springer Deal.

Für den Schweizer Publizisten Karl Lüönd kommt der Zusammenschluss von Ringier und Axel Springer im Osteuropa-Geschäft zum richtigen Zeitpunkt. Die Konzerne hätten ihre Chance gewittert und nützten die Schwäche der Konkurrenz, um Marktanteile zu gewinnen. "Man muss dann auf einen Eroberungszug gehen, wenn der Gegner schwach ist", sagte Lüönd am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Er bezeichnete den Schachzug deshalb als Entscheid der Stärke von zwei gutaufgestellten Unternehmen.

Die Märkte im Osten kennzeichne, dass sie wenig erschlossen seien und deshalb noch viel Expansionspotenzial bestehe. Im Gegensatz dazu sei der Markt im Westen übersättigt. Ringier-CEO Christian Unger habe deutlich signalisiert, dass das Unternehmen über ausreichend finanzielle Mittel verfüge und Appetit auf mehr habe. Lüönd kann sich vorstellen, dass sich Springer und Ringier auch im Bereich der Boulevardzeitungen in der Schweiz näher kommen. Direkte Auswirkungen auf den Schweizer Markt sieht der Publizist weder im positiven, noch im negativen Sinn.

Nachfolgeproblem teilweise gelöst

Durch den Zusammenschluss habe Verleger Michael Ringier einen Teil seines Nachfolgeproblems gelöst, betonte Lüönd. Der Deal sei ein Teil der unternehmerischen Erfolgsgeschichte von Ringier. Er habe sich für das Unternehmen gelohnt und es gestärkt. Die Meinungsvielfalt tangiere das Joint-Venture im übrigen nicht, ergänzte Lüönd, da wenig meinungsbildende Tageszeitungen involviert seien. Vielmehr betreffe das Geschäft vor allem Mode- und Gesellschaftszeitschriften.