Ringier streicht 29 Vollzeitstellen

- Hiobsbotschaft in der Medienbranche: Bei Ringier kommt es zum erwarteten Personalabbau. Da sich die Blick-Gruppe in einem Newsroom neu organisiert, gehen 29 Stellen verloren. Die Konzernleitung setzt den Rotstift hauptsächlich in den Bereichen Produktion, Bild, Layout und Korrektorat an. Weniger schlimm trifft es die schreibenden Ressorts. Die Gewerkschaften sind über die Massnahme bestürzt. Ringier-Schweiz-Chef Marc Walder hält aber fest: "Es kommt nicht zu einem weiteren Abbau." Der Bericht:

Anfangs November letzten Jahres berichtete "persoenlich.com" erstmals über die regelmässig stattfindenden Informationsveranstaltungen der Blick-Gruppe im Bernhard-Theater. Am Dienstag ging die grosse Blick-Oper in den dritten und entscheidenden Akt: Verkaufte Ringier-Schweiz-Chef Marc Walder den geplanten Newsroom lange Zeit als Prestigeprojekt, entpuppt sich der architektonische und strategische Umbau spätestens seit Dienstag als Sparprojekt.

29 Vollzeitstellen streicht Walder. In einer Mitteilung begründet das Zürcher Medienhaus den Personalabbau folgendermassen: "Schlankere Arbeitsabläufe und Synergien führen zu einem Abbau von 29 Mitarbeitervollzeitstellen gegenüber dem aktuellen Mitarbeiterbestand. Der grösste Teil der Synergien im Newsroom entfällt auf Produktion, Layout, Bild und Korrektorat und nicht auf die schreibenden Ressorts." Wie viele Mitarbeitende effektiv betroffen sind, steht noch nicht fest. Wie Ringier-Mitarbeiter gegenüber "persoenlich.com" aber sagen, könne man davon ausgehen, dass in etwa 13 Redaktoren ihre Stellen verlieren werden. Die Konzernleitung will elf Prozent aller Redaktionsstellen streichen.

Im Gespräch mit "persoenlich.com" sagt Marc Walder, dass der Abbau ein notwendiger Schritt sei, um das Unternehmen für die Zukunft zu wappnen. Der Newsroom sei eine zwingende und logische Massnahme, denn der Medienkonsument erwarte heute, dass er zu jedem Zeitpunkt auf jedem Kanal die gewünschten Inhalte bekommt. Ein solcher Service lasse sich - für vier verschiedene Publikationen der selben Marke - sinnvoll nur aus einem Newsroom heraus produzieren. Kommt hinzu, dass Walder sich aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Lage gezwungen sehe, Synergien zu nutzen. Walder rechnet 2010, was den Werbemarkt betrifft, mit einem ähnlich schwierigen Jahr wie 2009. 50 Millionen Franken hat Walder im letzten Jahr einsparen müssen. Auf die Frage, ob es zu einer zweiten Entlassungswelle kommen werde, sagt Walder: "Es kommt nicht zu einem weiteren Abbau."

Zeigten sich viele Mitarbeiter im November und Dezember über die Newsroom-Pläne skeptisch, scheint sich die Atmosphäre laut Walder beruhigt zu haben: "Ich höre kein Gejammer und Selbstmitleid mehr. Die Journalisten sehen heute den Newsroom als Chance, ihr Berufsbild weiter aufzuwerten und neue Leser zu erreichen."

Der Journalistenverband Impressum und die Mediengewerkschaft Comedia reagieren mit Bestürzung auf den Stellenabbau. Impressum geht davon aus, dass mit dem Abbau von 29 Vollzeitstellen rund 40 bis 50 Personen ihren Job verlieren werden. Rund die Hälfte der Entlassungen betreffe Journalisten. Nach Ansicht von Impressum wurde der Stellenabbau zu früh beschlossen, denn die Arbeitsabläufe seien nicht bis ins Detail definiert worden. Der Journalistenverband fordert deshalb ein sechsmonatiges Entlassungsmoratorium. Zudem müssten allfällige Entlassungen via natürliche Abgänge und andere sozialverträgliche Massnahmen realisiert werden.

Impressum und Comedia fordern überdies eine Verbesserung des bereits im Mai ausgehandelten Sozialplans. Dieser müsse den schlechteren wirtschaftlichen Bedingungen angepasst und auf das besondere Profil der Betroffenen zugeschnitten werden, schreibt Comedia. Die Einführung des Newsrooms dürfe nicht auf Kosten der Mitarbeitenden erfolgen.

Und was halten die Mitarbeiter der Blick-Gruppe von den Sparübungen? Diese sind verständlicherweise irritiert. Mit Namen will niemand auf "persoenlich.com" zitiert werden. Grund sind die Gespräche, die in den nächsten vier Wochen intern geführt werden. Die Chefredaktoren und Ressortchefs werden entscheiden, wer künftig im Newsroom eine Stelle erhalten wird, und wer seinen Platz räumen muss. "Es ist wohl nachvollziehbar, dass diese Situation bei uns nicht unbedingt jene Begeisterung für den Newsroom auslöst, die er nötig hätte", so ein Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte.

Grosse Hoffnung setzen die Ringier-Journalisten in die Personalkommission, deren Präsident Michael Scharenberg ist. Viele Mitarbeiter sind zufrieden mit seiner Arbeit. So habe er bis jetzt wichtige Anliegen des Personals bei der Konzernspitze deponieren können. Zum Beispiel habe sich Scharenberg schnell den unfair empfundenen Löhnen innerhalb der Blick-Gruppe angenommen. Nach wie vor unterscheiden sich die Saläre, die bei den vier Publikationen "Blick", "Blick am Abend", "SonntagsBlick" und "Blick online" bezahlt werden, deutlich voneinander. "Die Verhandlungen mit der Personalkommission sind hart aber konsensorientiert", beschreibt Marc Walder die Zusammenarbeit. (cl)