Im vergangenen November machte Lukas Hässig eine Klage von Ringier gegen seine Onlineplattform Inside Paradeplatz (IP) publik. Verleger Michael Ringier, CEO Marc Walder und die Ringier AG zogen vor das Zürcher Handelsgericht wegen persönlichkeitsverletzenden Äusserungen in Onlinekommentaren auf IP. Die Kläger forderten eine Löschung von mehr als 50 Wortmeldungen, sowie eine Genugtuung von 35’000 Franken. Ausserdem, schrieb Hässig damals, müssten er und Inside Paradeplatz alle Gebühren und Parteientschädigungen zahlen, wenn sich Ringier, Walder und das Medienunternehmen mit ihrer Klage durchsetzten.
Wie am Montag bekannt wurde, mündete das Verfahren in einen Vergleich, den die Parteien vor Gericht ausgehandelt hatten. Sowohl Ringier als auch Lukas Hässig bestätigten diesen Ausgang des Rechtsstreits. Die Kommentare, die Ringier zur Klage veranlasst hatten, musste Hässig löschen. Weiter entschuldigt sich Hässig «für die Publikation dieser Kommentare und bedauert deren versehentliche Veröffentlichung». Inside Paradeplatz verpflichte sich zudem, so schreibt Lukas Hässig, in Zukunft keine persönlichkeitsverletzenden Kommentare mehr zu veröffentlichen, welche die Kläger betreffen.
Bedeutung über den Einzelfall hinaus
Ringier wertet den Vergleich als «wegweisend», wie das Unternehmen in einer Medienmitteilung schreibt, und betont die Bedeutung, die über den Einzelfall hinaus reiche. Denn die Verpflichtung, keine persönlichkeitsverletzenden Kommentare mehr zu veröffentlichen, dürfe als wichtiger Grundsatz gewertet werden: «Onlinemedien sind für Leserkommentare auf ihren Websites genauso verantwortlich, wie dies die Verlage bei gedruckten Publikationen sind», hält Ringier fest.
Was bedeutet der Vergleich für die Arbeit von Lukas Hässig und seinen Wirtschaftsblog Inside Paradeplatz? «Ich muss die Kommentare noch strenger moderieren und mehr Zeit dafür investieren», sagt Hässig im Gespräch mit persoenlich.com. Es sei ja nicht so, dass bei ihm Kommentare unmoderiert veröffentlicht würden. Schon heute wende er viel Zeit für die Sichtung auf. Auch jene Wortmeldungen, die Ringier einklagte, hatte Hässig händisch freigeschaltet. Der Journalist sagt aber auch, er handle dabei grundsätzlich grosszügig. Dabei gehe es ihm nicht ums Geschäft («Ich mache mein Geld nicht mit den Kommentaren»), sondern um die Gesellschaft; darum, verschiedenen, auch unangenehmen und harten Meinungen eine Plattform zu bieten, wie an einem «virtuellen Stammtisch», so Hässig.
«Vieles liegt in einer Grauzone»
Wenn es gegen «die Grossen» geht, also gegen Banken oder Medienkonzerne, dann zeigt sich Hässig noch etwas grosszügiger und schaltete im Zweifelsfall lieber mal einen Kommentar frei, als dass er ihn löscht. «Ich will sicher nicht rechtsverletzende Kommentare veröffentlichen», sagt Hässig. «Aber vieles liegt in einer Grauzone.» Deshalb zeige er sich auch kulant und lösche einen veröffentlichten Kommentar nachträglich, wenn dies jemand von ihm verlange. Doch diese Kulanz verfängt nicht in jedem Fall. Hässig hat noch andere Klagen, unter anderem der Credit Suisse, wegen Leserkommentaren am Hals. Ob diese auch mit einem Vergleich enden, ist ungewiss.