Roche wehrt sich gegen Glogger

"Blick am Abend" - Bestseller-Autorin sagt Ringier den Kampf an.

Erfolgsautorin Charlotte Roche legt sich mit Ringier-Kolumnist Helmut-Maria Glogger an. Anlass dafür ist ein Text, den er am 22. August in seiner täglichen Rubrik "Glogger mailt" veröffentlicht hat. Unter dem Betreff "Ghostwriter?" schrieb er dem Piper-Verlag, der den neuen Roman "Schossgebete" von Roche herausgibt. Als "gewiefter Ghostwriter" äussert er darin die Vermutung, dass die Autorin das Buch gar nicht selber geschrieben habe. "Es ist so unterirdisch obszön. Da sassen mehr als zwei gewiefte Ghostwriter dran", schreibt er unter anderem. Roche ist in seinen Augen "einfach die Marketing-Masche."

Das liess die Autorin nicht auf sich sitzen, wie Tagesanzeiger.ch/Newsnetz berichtet. Der Piper-Verlag setzte eine deutsche Anwaltskanzlei auf den Fall an. Die forderte von "Blick am Abend" eine Gegendarstellung der Kolumne. Über die Strafandrohung herrscht von beiden Seiten Stillschweigen. Jedenfalls willigte der Ringier-Verlag als Herausgeber von "Blick am Abend" ein, eine Gegendarstellung abzudrucken. Zwei Wochen nach der Veröffentlichung der Kolumne titelte die Gratiszeitung: "Roche hat ‹Schossgebete selber geschrieben." Um die Richtigstellung abzumildern, war der Artikel mit dem Stempel "Fairness beim ‹Blick am Abend›" versehen - Max Havelaar für den Journalismus.

Dies reichte dem Piper-Verlag nicht, wie Tagesanzeiger.ch/Newsnetz weiter schreibt. Er verlangte einen erneuten Abdruck der Richtigstellung - prominent an der Stelle von Gloggers Kolumne und ohne "Fairness"-Label. Die Gegendarstellung sollte als solche erkennbar sein und nicht als Artikel daherkommen. Beim Ringier-Verlag erklärt man dieses Nachdoppeln folgendermassen: "Der erneute Abdruck in der gestrigen Ausgabe war notwendig geworden, weil aufgrund eines Missverständnisses auf der Redaktion der erste Abdruck nicht an derselben Stelle erfolgte wie die Kolumne", sagt Edi Estermann, Leiter der Kommunikation bei Ringier Schweiz. Dies sei so vereinbart worden und in solchen Fällen üblich. Der Fall sei für Ringier somit erledigt.

Wie heikel es ist, sich mit Roche anzulegen, hätte Helmut-Maria Glogger eigentlich wissen müssen. Die Boulevardzeitung "Bild" veröffentlichte nämlich ein Foto des ausgebrannten Unfallautos, in dem vor zehn Jahren die drei Brüder von Roche starben. Die Schriftstellerin ging darauf gegen den Springer-Verlag vor, der die "Bild"-Zeitung herausgibt. Dieser Streit bildet literarisch verarbeitet den Hauptteil des Romans "Schossgebete".