Lieber Christoph Bürge, herzliche Gratulation zu deiner Ernennung zum Unterhaltungschef bei Sat.1. Als TV-Fachmann bist du so ausgebufft und erfahren, dass du keine fachlichen Tipps brauchst. Und in Berlin wirst du dich schneller zu Hause fühlen als in Bukarest. Ich glaube, du hast es dir redlich verdient, in der wohl spannendsten Stadt Europas und im zweitgrössten TV-Markt der Welt an entscheidender Stelle tätig zu sein. Mit deiner offenen Art wirst du dir auf Anhieb viele Sympathien holen. Doch es gibt einige überraschende Fallstricke. Denn Deutschland ist manchmal weiter von der Schweiz entfernt, als wir gemeinhin glauben. Dies betrifft nicht nur die Mentalität, sondern auch die Sprache. Deshalb an dieser Stelle eine kleine semantische Einführung für den Eintritt in die Gilde deutscher Fernsehmacher.
Nachdem also dein Vertrag in trockenen Tüchern (unterschrieben) ist, kann es bald losgehen. Ich gehe davon aus, dass du das schon vor Monaten eingetütet (vorbereitet) hast, denn du bist ja nicht mit dem Klammerbeutel gepudert (verrückt). Wer wie Kai aus der Kiste kommt (ohne Vorwarnung), macht sich schnell einmal zum Horst (zum Deppen). Aber du willst ja nicht schon bald tot überm Zaun hängen wollen (im völlig falschen Film sein). Wenn du dann dein erstes eigenes Programm einstartest (auf Sendung bringst), hoffe ich, dass du dich nicht fremdschämen musst (sich sogar für die Akteure schämen, weil es so peinlich ist). Das ist nur dann weniger schlimm, wenn die Quote durch die Decke geht (super ist), dann brummt der Laden wenigstens (dann läuft das Geschäft). Fatal ist es hingegen, wenn diese Sendung zudem sturzlangweilig (langweilig), sperrig (nicht verständlich) oder gar spassbefreit (völlig unlustig) ist. Das geht gar nicht (das ist der falsche Weg).
Pass also auf, dass du deine ersten Programme nicht voll an die Wand fährst (dass sie nicht total floppen). Wenn die nicht aus dem Knick kommen (nicht erfolgreich sind), wird man dir bald einmal firmenintern in die Parade fahren (dich abstrafen), und das so lange, bis der Arzt kommt (sehr, sehr lang). Und wenn du bei einer Sendung nicht im richtigen Moment den Stecker ziehst (sie absetzt), wird dich die Presse abwatschen (dich in Frage stellen). Deshalb solltest du dich nicht in Details verheddern (verlieren), sondern die Probleme aufdröseln (analysieren).
Am Ende des Tages (hinterher) musst du deine Mitarbeiter wieder an die Kette kriegen (unter Kontrolle bekommen). Aber wenn es einmal hakt (wenn es nicht läuft), die Leute rabaukig (konfrontativ) oder ramdösig (schlecht gelaunt) sind, dann weisst du, dass dein Laden nicht gut aufgestellt (nicht gut organisiert) ist. Wichtig sind vor allem deine Sendergesichter (deine Stars), bei denen es noch Luft nach oben (Potenzial) gibt. Doch halt dich fern von solchen, die absolut talentfrei (unbegabt) sind.
Ohne starke Gegenprogrammierung (Konkurrenz) holst du dir in der Zielgruppe (die für die Werbung alleine wichtigen 14- bis 49-jährigen Zuschauer) leichter Superquoten, dann kannst du die andern so richtig zuballern (beschädigen). Pass aber auf in Sachen Landesmedienanstalten (Aufsichtsbehörden), vor allem bei den Drittsendelizenzen (Sendungen, die Sat.1 ausstrahlen und bezahlen muss, die aber meist schlechte Quoten holen). Schau mal im Rundfunkstaatsvertrag (Gesetzesgrundlage) nach und frag deinen hauseigenen Jugendschützer (Jugendschutz-Beauftragten). Wenn das nicht reicht, hol dir einen deiner Justis (Anwälte). Und sei immer offen zum Betriebsrat (hauseigene Gewerkschaft) und zu den Assis (Assis-tenten). Hie und da solltest du dich beim CVD (Chef vom Dienst) zeigen, sonst wird er bräsig (missmutig). Da Content King ist (es kommt allein auf den Inhalt an), wärest du angeschickert (betrunken, nicht ganz nüchtern), wenn du dir deswegen einen Kopf machen würdest (dich ärgern).
Aber da mach ich mir überhaupt keine Sorgen um dich. Also, viel Erfolg bei Sat.1. Wir sind alle stolz auf dich. Roger