Roger Schawinski vs. Peter Wanner

Streitgespräch - Verhärtete Fronten im Kampf um Radio-Konzession.

Wer darf im Aargau kommerzielles Radio machen? Für den Sendebereich Aargau wird im Frühsommer eine Konzession für ein kommerzielles UKW-Radio mit Leistungsauftrag vergeben. Der bestehende Sender Radio Argovia, der zum AZ Medienhaus gehört, wird dabei von Roger Schawinskis Radio AG herausgefordert. Sie hat ebenfalls ein Gesuch für eine Konzession im Aargau eingereicht und will sich als Alternative zu Radio Argovia positionieren. In einem Streitgespräch, das am Mittwoch auf einer Doppelseite in der "Mittelland Zeitung" erschien, kreuzen Roger Schawinski und AZ-Verleger Peter Wanner die Klingen. "persoenlich.com" bringt einen Ausschnitt aus dem Gespräch:

Peter Wanner, warum stellen Sie sich erst jetzt dem Streitgespräch mit Roger Schawinski?

Peter Wanner: Vor etwa zwei Monaten hat mich Roger Schawinski per Mail angefragt, ob man nicht ein Streitgespräch machen könnte. Ich habe ihm dann mitgeteilt, ich hätte keine grosse Lust, mit ihm an einem Tisch zu sitzen, weil er falsche Behauptungen und Unterstellungen über mich verbreitet hat. Aber völlig abwegig fand ich die Idee nicht. Die gleiche Frage richtete er auch an Radio Argovia. Dieses entschied, dass man nicht der Person, die gegen ihr Radio vorgehen und ihre Arbeitsplätze abschaffen will, eine Werbeplattform geben will. Aus Sicht von Radio Argovia fand ich das nachvollziehbar. Schliesslich wollte die Redaktion der Aargauer Zeitung noch vor der Interpellationsbeantwortung im Grossen Rat ein Streitgespräch machen. Das ist dann an Terminproblemen von Roger Schawinski gescheitert. Der jetzige Zeitpunkt ist immer noch früh genug, weil weder der Aargauer Regierungsrat noch der Grosse Rat darüber entscheiden werden, wer die Konzession bekommt, sondern das Bundesamt für Kommunikation und Bundesrat Leuenberger.

Roger Schawinski: Danke für den freundlichen Empfang in Baden. Sie haben gehört, was mir gleich zu Beginn an Diffamierendem vorgeworfen wird. Das ist die typische Art von Peter Wanner. Tatsache ist, dass man vor der Empfehlung des Regierungsrates alles verhindert hat. Man hat das Monopol spielen lassen und versucht, alles unter dem Deckel zu halten. Dabei ist man auch vor Verleumdungen nicht zurückgeschreckt, wie Sie eben gehört haben. Jetzt soll das Gespräch doch noch stattfinden. Man will wohl damit zeigen, wie liberal man ist, nachdem im Aargau die Entscheidungen gefallen sind. Damit will man vorgaukeln, hier gäbe es Meinungsvielfalt, ohne dass man sich selbst beschädigt.

Wanner: Halt, sichern! Die Entscheidung ist noch offen. Die Regierung hat eine Stellungnahme abgegeben an das Bakom, das ist alles. Und du konntest vor der Regierung antraben und ihr das ganze Projekt vorstellen. Die Regierung war bestens informiert und hatte alle Entscheidungsgrundlagen.

Schawinski: Aber ihr habt mein Projekt totgeschwiegen, um eine öffentliche Debatte zu verhindern.

Wanner: Wir haben dir keinen roten Teppich ausgerollt, das stimmt. Wir haben aber über dein Gesuch korrekt berichtet, das wird uns auch von Medienexperten bescheinigt.

Herr Schawinski, was verstehen Sie unter Konzernjournalismus und Monopoljournalismus?

Schawinski: Darunter verstehe ich, dass fast alle relevanten publizistischen Stimmen im Kanton von einem Medienhaus kontrolliert werden. Hin und wieder kann man sich dann liberal geben, aber man entscheidet selbst, wann. Dazu gehört im konkreten Fall auch, dass immer nur mein Name genannt wird, aber dass bei unserem Projekt auch Aargauer dabei sind wie Christoph Bürge oder Heinz Lang, wird tunlichst verschwiegen, um den Anti-Zürich-Reflex so richtig anheizen zu können. Das ist dann auch das Hauptargument gegen unser Projekt.

Peter Wanner, schüren Sie den Anti-Zürich-Reflex?

Wanner: Es gibt nur ein Entweder-oder, weil nur eine kommerzielle Konzession ausgeschrieben ist. Also entweder Radio Argovia oder Radio Schawinski. Ich bin überzeugt: Die Aargauer und Aargauerinnen wollen nicht auf Radio Argovia verzichten. Wir wollen doch keine "Züri-Schnurre" im Aargau. Deine zwei Aargauer sind übrigens Fernsehmacher, keine Radiomacher.

Uns interessiert konkret der Vorwurf des Monopoljournalismus.

Schawinski: Das empfinde ich erstens als sehr provinziell und zweitens als despektierlich. Die Aargauer Zeitung hat einen Kommentar gebracht von Ihnen, Herr Buri, zwei Tage nachdem wir unser Gesuch eingereicht hatten. Eine ganze Seite, und als Fazit ein flammender Appell fürs Monopol. Wir haben danach gefragt, ob wir auch zu Wort kommen könnten, und man hat uns einen Leserbrief von 30 Zeilen angeboten. Darauf haben wir dankend verzichtet. So viel zur gelebten Medienvielfalt.

Nur um die Fakten festzuhalten: Es war ein über 200 Zeilen langer Leitartikel im Inland-Teil über die Veränderungen in der Medienszene. Davon betrafen etwa 30 Zeilen das Projekt von Radio AG. Anlass für den Leitartikel war der Start der Gratiszeitung "News".

Wanner: Es stimmt einfach alles nicht, was Roger Schawinski sagt. Unterstellungen am Laufmeter. Vielleicht ist das bei seinen Unternehmungen so: Stallorder, Befehlsausgabe, Konzernjournalismus, vorauseilender Gehorsam . . .

Schawinski: Gehen dir bereits so früh die Argumente aus, dass du permanent Charakterdiffamierung betreiben musst?

Nun ist aber nicht zu übersehen, dass die AZ Medien in der Aargauer Medienszene omnipräsent sind. Ist das kein Monopol, Peter Wanner?

Peter Wanner: Wir haben eine starke Marktstellung, das stimmt. Aber die AZ Medien haben kein Informations- und kein Meinungsmonopol. Gerade im Radiobereich existiert kein Informationsmonopol. Es gibt Kanal K und das Regionaljournal AG/SO. Dann gibt es sämtliche Zürcher Regionalradios, die man alle im Aargau empfangen kann. Im Raum Fricktal kann man die Basler Regionalradios empfangen, im Freiamt und im Raum Zofingen die Luzerner Radios, neuerdings kommt Radio 32 in den Aargau hinein. Im Zeitalter des Internets von Informationsmonopol zu reden, ist völliger Blödsinn.

Schawinski: In einem von dir veröffentlichten ganzseitigen Inserat heisst es stolz, Radio Argovia habe einen Marktanteil von nicht weniger als 68 Prozent. Damit hast du dich selbst ins Knie geschossen, Peter. Du belegst damit das Gegenteil deiner These, nämlich, dass ihr im Kanton Aargau eine absolut dominierende Stellung habt.

Wanner: Wir sind Marktführer. Das erfolgreichste Lokalradio der Schweiz. Man darf Marktführerschaft und Monopol nicht verwechseln, das machst du permanent. Monopol heisst 100 Prozent Marktbeherrschung. Die SRG hat ein Monopol, die SBB, die Post . . . Wir haben kein Monopol im Sinne einer völligen Marktbeherrschung. Auch bei den Zeitungen nicht. Es gibt zig Zeitungen im Kanton: Lokalzeitungen, Sonntagszeitungen, Gratiszeitungen, überregionale Zeitungen.

Schawinski: Dein Argument fällt in sich selbst zusammen. Die SRG hat zwar ein Gebührenmonopol, aber bloss einen Marktanteil von rund 30 Prozent.

Roger Schawinski, wie ernst ist es Ihnen? Wollen Sie wirklich ein Aargauer Radio machen?

Schawinski: Peter Wanner hat verbreitet, ich würde nur eine Minimalbesetzung in den Aargau schicken, quasi einen Ableger aus Zürich. Das ist Verleumdung, und zwar gegen besseres Wissen.

Wanner: Die Branche unterstellt dir, dass du ein "Kettenradio" machen willst mit drei Stationen. Der Begriff stammt von Hanspeter Lebrument, Verleger der "Südostschweiz". In Zürich wäre dann das Zentralstudio und auf allen Kanälen könnte man Roger Schawinski hören. Der Musikteppich wird überall der gleiche sein oder sehr ähnlich. Es ist klar, dass du möglichst viele Synergien rausholen willst, auch bei der Werbung, sonst würdest du nicht drei Konzessionen eingeben. Wenn man dein Konzessionsgesuch liest, läuft das auf ein "Ablegerradio" im Aargau hinaus.

Schawinski: In meinem Gesuch steht etwas ganz anderes und daran muss und werde ich mich halten. Das weisst du ganz genau. Mit dieser bösartigen Unterstellung hast du im Aargau gegen uns polemisiert. Das nehme ich dir besonders übel. Nun gibt es ja diese ungute Situation mit nur einem dominierenden Medienhaus nicht nur im Aargau. Wir erleben das auch im Bündnerland und – was ich dummerweise vergessen habe – auch in St. Gallen.

(Das Streitgespräch erschien am Mittwoch in der "Mittelland Zeitung. Interview: Peter Buri und Christof Bopp)