Herr Bollmann, Anfang Oktober warf die Medienwoche.ch Peter Wanner vor, "unpräzise Leserzahlen" zu verbreiten. Dem Vernehmen nach brodelt es noch immer zwischen Peter Wanner und der BaZ. Wie ist der aktuelle Stand?
Wanner ist völlig uneinsichtig und will weiterhin tatsachenwidrig verbreiten, dass er die Leser der BaZ nicht mit falschen Zahlen verunsichert habe – und notabene auch den Werbemarkt. Ja, er geht sogar noch weiter und will öffentlich behaupten, dass er sich bei seinen Falschaussagen auf eigene Zahlen der BaZ gestützt habe. Diese Exzesse können und dürfen wir nicht akzeptieren.
Was wollen Sie dagegen tun?
Wir werden Wanner zur Rechenschaft ziehen. Zunächst verlangen wir seine sofortige Abberufung aus dem WEMF-Verwaltungsrat.
Ist diese Forderung nicht ein bisschen übertrieben?
Nein, überhaupt nicht. Die WEMF erhebt für die Schweizer Medien das Leserverhalten der Printmedien. Die WEMF herrscht damit eigentlich über unsere "Währung". Somit ist für uns alle überlebenswichtig, dass die WEMF und deren Medien- und Werbeforschung neutral sind. Peter Wanner ist nicht neutral. Zumindest wird niemand in Anbetracht dessen, was in Basel passiert, behaupten, Wanner sei unabhängig gegenüber eigenen wirtschaftlichen Interessen. Das Gegenteil ist der Fall, was wir jederzeit beweisen können.
Sie kennen Peter Wanner sehr gut. Haben Sie im Vorfeld das Gespräch mit ihm gesucht? Wie hat er auf ihre Anschuldigungen reagiert?
Peter Wanner redet nur noch über Anwälte mit uns.
Lassen Sie damit nicht bloss Ihren Frust über die BaZ-Leserzahlen an Wanner ab?
Nein. Es gibt nebst der fehlenden Unabhängigkeit schwerwiegende Verfehlungen von Wanner gegen Vorgaben der WEMF. Wanner hat als WEMF-Verwaltungsrat zwecks klarer Bevorzugung seiner eigenen Medienprodukte unzulässige Zahlenvergleiche in den eigenen Medien publiziert. Die WEMF selber sagt explizit dazu, dass die direkte Gegenüberstellung der Leserzahlen aus der neuen MACH mit Vorjahreswerten zu verzerrenden, unsinnigen oder sogar absolut falschen Schlussfolgerungen führt.
Haben Sie nur Peter Wanner oder auch andere Verleger im Visier?
Kein Schweizer Verleger hat derart krass gegen die Hausordnung der WEMF verstossen und zum Zeichen seines angeblichen Erfolges die neuen Leserzahlen in den eigenen Medien mit den Vorjahreswerten verglichen. Jeder Verleger, ausser Wanner, hat sich an die WEMF-Vorgaben gehalten. Kein Verleger hat verzerrende, unsinnige oder sogar absolut falsche Schlussfolgerungen riskiert. Es darf also nicht sein, dass ein Lobbyist in eigener Sache, wie Wanner, weiterhin im Verwaltungsgrat der WEMF sitzen bleibt und deren Neutralität in Zweifel zieht. Zu erwähnen ist noch, dass sich auch WEMF-Verwaltungsratspräsident Jürg Weber, der kein Verleger ist, unkorrekt verhalten hat.
Was werfen Sie NZZ-Geschäftsleitungsmitglied Jürg Weber vor?
Jürg Weber hat in seiner "Neuen Luzerner Zeitung" seinen angeblichen Erfolg sogar mit einer Grafik der Leserzahlen im Vergleich 2012 zu 2013 abgebildet. Und dies, obwohl die WEMF explizit die Verlage schriftlich darauf hingewiesen hatte, dass ein Vergleich absolut unzulässig ist. Alle Verlage haben sich daran gehalten – ausser eben: der VR-Präsident der WEMF, Jürg Weber, und das VR-Mitglied der Wemf, Peter Wanner. Das ist doch absurd und an Dreistigkeit nicht mehr zu überbieten.
Wie kann denn Wanner in eigener Sache lobbyieren?
Wanner stellt gemäss den offiziellen WEMF-Zahlen bei den Leserzahlen der "bz Basellandschaftlichen Zeitung" ein Wachstum von 62,2 Prozent dar und beim Zeitungsverbund "Nordwestschweiz" ein Wachstum von rund 9 Prozent. Vergleicht man damit nun die beglaubigten Auflagenzahlen, so würde die "bz Basellandschaftliche Zeitung" rund 3 Leser pro Exemplar haben. Die "bz Basellandschaftliche Zeitung" würde damit zur unangefochtenen Nummer 1 im LpE-Wert der abonnierten Tageszeitungen in der Schweiz. Wer glaubt so was? Einen derart hohen Leseranteil pro Exemplar hat es bei abonnierten Tageszeitungen seit der Einführung der MACH-Währung durch die WEMF vermutlich noch nie gegeben. Das Ergebnis ist völlig unglaubwürdig und zeigt die fehlende Seriosität.
Glauben Sie ernsthaft, dass die WEMF Ihrer Forderung nachkommt?
Die Vorkommnisse zeigen, dass durch das Verhalten eines Mitgliedes des Verwaltungsrates letztlich die Glaubwürdigkeit der offiziellen Leserzahlen im Schweizer Printmedienmarkt auf dem Spiel steht. Wanner darf ab sofort bei der WEMF keinen Entscheidungsspielraum mehr haben. Das gesamte Unternehmensinteresse der WEMF verlangt eine sofortige Bereinigung der Organstrukturen. Wir werden diesbezüglich nicht aufgeben. Die Verantwortlichen sind gut beraten, wenn sie unserer Forderung unverzüglich nachkommen.
Was passiert, wenn die WEMF – was anzunehmen ist – nicht auf Ihre Forderung eintritt? Wählen Sie den juristischen Weg?
Das ist klar.
Wären Sie notfalls bereit zu einer einvernehmlichen Lösung?
Nur wenn bei der WEMF ein Verwaltungsrat installiert würde, der keinen Interessenskonflikten ausgesetzt ist.
Sie haben einen Brief an Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument geschrieben. Was erwarten Sie nun von ihm?
Dabei handelt es sich um ein laufendes Verfahren. Ich äussere mich dazu erst nach dessen Abschluss. Sie können davon ausgehen, dass Herr Lebrument die Brisanz der Angelegenheit und den Handlungsbedarf für den Verband Schweizer Medien erkannt hat.
Beim Podium im April in Basel scherzten sie noch: Peter Wanner und Rolf Bollmann.
Interview: Matthias Ackeret, Bilder: Keystone