Bunte Überraschung für Schweizer Zeitungsleser: Die Freitagsausgabe der Boulevardzeitung "Blick" ist ausnahmsweise auf rosarotem Papier erschienen. Grund dafür ist eine exklusive Werbeaktion eines einzelnen Anzeigekunden. Kommentare blieben nicht aus.
Presseratssekretär Martin Künzi wollte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda nicht zum konkreten Fall äussern, er verwies aber auf eine Stellungnahme aus dem Jahr 2004. Damals hielt die Beschwerdeinstanz für medienethische Fragen in einem ähnlichen Fall fest, dass die Ummantelung einer Zeitung mit Werbung das Renommé der Zeitung als redaktionelles Qualitätsprodukt gefährde.
Der Presserat appellierte vor neun Jahren an die Verleger, das Ansehen der Presse nicht so aufs Spiel zu setzen. Gegen das berufsethische Gebot der Trennung von redaktionellem Teil und Werbung verstosse eine Ummantelung mit Werbung aber nicht. Eine Beschwerde gegen die Tessiner Blätter "Giornale del Popolo" und "La Regione" wurde damals in der Hauptsache abgewiesen. Die Beschwerde gegen die die redaktionellen Inhalte umhüllenden Werbebeilagen kam von der Tessiner Journalistenvereinigung.
Eine Zeitung - ein Werbekunde
Zwar verzichtete der "Blick" in der Freitagsausgabe auf eine Ummantelung mit Werbung, doch erschienen ausschliesslich Anzeigen eines Werbekunden. 6 von 24 Seiten oder ein Viertel der zusätzlich in Rosarot eingefärbten Zeitung war mit Werbung gefüllt.
Ringier hielt am Freitag in einem Communiqué fest, dass die rosarote Ausgabe die Jubiläumsaktion einer Optikerkette sei, die sich "auf diese aussergewöhnliche Art und Weise" selber feiere. Bei der speziellen Aktion handle es sich um eine reine Werbekundenaktion. Redaktionelle Leistungen seien damit nicht verbunden. Die exklusive Aktion sei selbst für den "Blick" ein Novum. Etwas Vergleichbares habe es zuvor noch nie gegeben.
Ganz neu ist die Idee, mit farbigem Papier für Aufsehen zu sorgen, allerdings nicht. Bereits im Jahr 2008 färbte sich die Gratiszeitung "20 Minuten" für einen Getränkehersteller einen Tag gelb ein.
Kritik von Fachzeitschrift
Die Redaktion der Fachzeitschrift "Werbewoche" kritisierte die jüngste Aktion des "Blicks" scharf. Die Idee rieche stark nach "Ausverkauf", teilte Andreas Panzeri, der stellvertretende Chefredaktor der Zeitschrift, auf Anfrage mit. Dass sogar die meist gelesene Bezahlzeitung in der Schweiz bei solchen Angeboten Schwäche zeige, beweise, wie stark die Branche am Leiden sei. "Aufhalten kann man solche Entwicklungen nicht mehr." (sda)