Rosenstolz kritisiert Auszeichnung von Bushido

Bambi - Kein Verständnis für frauen- und schwulenfeindliche Texte.

Im Vorfeld der Bambi-Verleihung in Wiesbaden herrschte am Donnerstagabend Hochbetrieb am roten Teppich. Der begehrte Medienpreis wurde zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder in Wiesbaden vergeben. Der echte Starrummel wurde dann für den späteren Abend erwartet: Neben der schrillen Pop-Sängerin Lady Gaga, Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt und Bushido stand auch der kanadische Teenie-Schwarm Justin Bieber auf der Liste der Bambi-Preisträger.

Mehrere tausend vor allem weibliche Fans hatten am roten Teppich kreischend Teenieschwarm Bieber begrüsst, der in der Kategorie Entertainment ausgezeichnet wurde. Der 17-jährige Kanadier, der an den deutschen Hintergrund seiner Familie erinnerte, dankte seinen Fans und Angehörigen und trat auch als Sänger bei der Gala auf.

Auch das Berliner Pop-Duo Rosenstolz erhielt eines der 18 Kitze für sein gelungenes Comeback. Ausserdem habe Songschreiber Peter Plate durch sein Bekenntnis zu seinem Burn-out-Leiden eine lange verkannte und unterschätzte Krankheit ins Blickfeld gerückt, argumentierte die Jury. Der Bambi für Rapper Bushido hat auch bei der Verleihung des Medienpreises scharfe Kritik ausgelöst. Nachdem bereits im Vorfeld diverse Leute ihrem Unmut darüber Luft gemacht hatten (persoenlich.com berichtete) äusserte Rosenstolz-Musiker Plate am Donnerstagabend auch auf der Bühne Unverständnis für die Ehrung von Bushido.

Es sei sicher richtig, dass Menschen "einander neue Chancen geben" und nach langer Auszeit auch wieder eine Rückkehr ermöglichten, sagte Plate auch mit Blick auf seine eigene Geschichte. Er finde es aber nicht in Ordnung, dass ein Musiker, der frauen- und schwulenfeindliche Texte schreibe, mit einem Bambi geehrt werde, sagte der homosexuelle Sänger.

Bushido wurde in der Kategorie Integration ausgezeichnet. Mit Blick auf die teils scharfe Kritik, welche die Ehrung bereits im Vorfeld der Gala ausgelöst hatte, sagte Bushido, er sei jetzt 33 Jahre alt und werde heute ganz bestimmt nicht mehr das sagen, was er vielleicht vor zehn Jahren gesagt habe. Er habe gelernt, "dass das, was ich gemacht habe, falsch war". Die Menschen sollten lieber an diejenigen denken, die noch keine Integration erfahren hätten, sagte der Musiker.

Preise erhielten unter anderen auch die in Fruthwilen TG lebende Schauspielerin Ruth Maria Kubitschek und ihre US-Kollegin Gwyneth Paltrow sowie US-Popstar Lady Gaga. Der scheidende "Wetten, dass..?"-Moderator Thomas Gottschalk wurde für seine letzte Sommerausgabe aus Mallorca in der Kategorie "TV-Ereignis des Jahres" geehrt. Gottschalk kündigte an, den Bambi unter den Mitarbeitern seines Teams verlosen zu wollen. Zugleich bat der 61-Jährige darum, mit dem Preis für sein Lebenswerk noch ein paar Jahre verschont zu werden.

Standing Ovations bekam der deutsche Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Der 92-Jährige wurde mit dem Millennium-Bambi ausgezeichnet. Schmidt äusserte sich auch bei der Vergabe des Medienpreises politisch: Es gebe gegenwärtig in Europa eine Krise der EU und ihrer Institutionen. "Die Krise kann nur mit viel Geduld gelöst werden, es gibt keine Patentrezepte", sagte Schmidt. Der Burda-Verlag ("Bunte", "Focus") verleiht die Rehkitz-Trophäe Bambi als traditionsreichsten deutschen Medienpreis seit 1948. (sda/dpa)