Rückschlag für Radio 1

- Vor zwei Wochen zündete Roger Schawinski frohen Mutes die zweite Phase seines Radioprojekts für Erwachsene: Zur endlich vollzogenen Erweiterung des Sendegebiets, wollte der Medienunternehmer mit der Aufstockung des Teams und der Ernennung eines Chefredaktors wichtige Zeichen für die Zukunft setzen. Zeichen die Aufbruch verhiessen. Doch dieser wird nun gebremst: Nach nur 14 Tagen springt der frischgebackene Chefredaktor wieder ab. Sandro Brotz wechselt als Stellvertretender Chefredaktor zum "Sonntag". Zur Story:

Der Chefredaktor von Radio 1, Sandro Brotz, verlässt nach knapp zwei Jahren den Sender von Roger Schawinski und wechselt zur Zeitung "Sonntag". Dort wird er als Stellvertreter von Chefredaktor Patrik Müller tätig sein und in dieser Funktion als Blattmacher amten. Der Weggang erfolgt zu einem merkwürdigen Zeitpunkt, da Brotz erst vor zwei Wochen vom Redaktionsleiter zum Chefredaktor befördert worden war ("persoenlich.com" berichtete).

"Das sieht seltsamer aus als es ist: Ich bin zwar erst vor zwei Wochen vom Redaktionsleiter zum Chefredaktor befördert worden, de facto habe ich die gleiche Aufgabe aber schon seit zwei Jahren erfüllt", sagt Brotz gegenüber "persoenlich.com". "Es war Roger Schawinskis Idee mit der Schaffung des Chefredaktorpostens ein journalistisches Zeichen nach Aussen zu setzen. Natürlich war es auch ein Zeichen der Anerkennung mir gegenüber." Schawinski bedauert den Abgang sehr. Niemand sei unersetzbar, meint Brotz dazu. "Roger Schawinski hat Pläne für Radio 1, ich habe meine privaten Pläne. Natürlich war er nicht erfreut darüber, als ich ihm diese Woche meinen Entscheid mitgeteilt habe."

Beim "Sonntag" wird Brotz zum Stellvertreter von Chefredaktor Patrik Müller. Die beiden kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit beim "Sonntagsblick". Die Person von Müller sei ein Faktor bei seinem Entscheid gewesen, betont Brotz. "Wir haben genau die gleiche Leidenschaft für den Journalismus. Wir schätzen gute Recherchearbeit. Ausserdem finde ich beeindruckend, wie er den Sonntagszeitungsmarkt mit seinem Titel innerhalb von kurzer Zeit durcheinandergewirbelt hat."

Brotz übernimmt im Aargau die Stelle von Arthur Rutishauser, der das Sonntagsblatt Ende Jahr Richtung "Tages-Anzeiger" verlassen wird ("persoenlich.com" berichtete). Dort wird Rutishauser als Mitglied der Geschäftsleitung für das Wirtschaftsressort zuständig sein und als Autor und Tagesleiter arbeiten.

Zur Brotz' Nachfolge wird Schawinski in der Pressemitteilung mit folgenden Worten zitiert: "Entscheidungen über die Nachfolge werden nicht sofort erfolgen, sondern erst nach einer detaillierten Auslegeordnung." Er weiss: Das Radio für Erwachsene hat in journalistischer Hinsicht seinen erwachsensten Mitarbeiter verloren.

Und wieso nochmals? "Ich möchte eine neue Herausforderung annehmen. Der 'Sonntag' ist ein nationales Printprodukt, das auf dem Markt mittlerweile ein gewichtiges Wort mitzureden hat. Ausserdem habe ich dort die Möglichkeit, wieder vertieft zu recherchieren und Texte zu schreiben. Das hat mir gefehlt und dann kommt halt irgendwann der Moment, wo man ehrlich zu sich selber sein muss", führt Brotz zum Schluss des Gesprächs nochmals ausführlich aus. Er tritt seinen neuen Job im Februar an.

(Adrian Schräder)