Rufe nach mehr Transparenz

Klickbetrug in der Schweiz - Wer sind die Betrüger? Nachdem persoenlich.com aufgedeckt hat, dass zwei Onlineportale ihre Trafficzahlen manipuliert hatten, werden Forderungen nach Nennung der Namen laut. Der Verlegerverband und die Werbeauftraggeber stärken Netmetrix allerdings den Rücken.

von Michèle Widmer

«Her mit den Namen!», schreibt der eine. «Erst betrügen, dann Belohnung durch Anonymität: Geht gar nicht!», meint ein anderer. Nur wenn die «fehlbaren Portale veröffentlicht werden müssen», könne man «denjenigen, die nicht betrügen weiterhin vertrauen», begründet jemand drittes. Für einmal sind sich die Leserinnen und Leser in der Kommentarspalte von persoenlich.com einig. Sie fordern von Netmetrix mehr Transparenz bei Manipulationsversuchen von Trafficzahlen.

Gegenüber persoenlich.com bestätigte die Branchenorganisation, die zertifizierte Nutzungs- und Nutzerzahlen von über 500 Webangeboten liefert, diese Woche zwei Fälle von Klickbetrug in den letzten zehn Jahren. Welche Portale die Trafficzahlen manipuliert haben, verrät Andreas Stopper, Head of Traffic Measurement, nicht. Nur so viel: In beiden Fällen handelt es sich um «journalistische Portale». Ein Missbrauchsversuch liegt fünf, der andere zwei Jahre zurück.

Netmetrix sieht sich nicht dafür verantwortlich, dass solche Betrugsfälle öffentlich gemacht werden. «Unsere Aufgabe liegt darin, zertifizierte Nutzungs- und Nutzerdaten zu liefern», begründet Stopper.

Werbekunden betrogen

Auch auf Twitter war wenig Verständnis für das Schweigen von Netmetrix vorhanden – unter anderem weil damit versucht worden sei, Werbekunden zu betrügen.

Trotz all den Rufen nach Transparenz aus der Branche, sehen das tangierte Organisationen anders. «Die Benennung der zwei schwarzen Schafe bringt rückblickend nicht mehr viel», sagt Roland Ehrler, Direktor des Schweizerischen Werbeauftraggeberverbands (SWA), auf Anfrage von persoenlich.com. Wichtig sei, dass Netmetrix die Unregelmässigkeiten in den Daten vor der Veröffentlichung festgestellt habe. Es sei die Aufgabe der Organisation korrekte Zahlen zu erheben und zu publizieren. Genau dies habe das Unternehmen in diesem Fall getan.

Auch der Verband Schweizer Medien stützt Netmetrix den Rücken. «Dass die beiden Fälle vor der Publikation entdeckt wurden, weist darauf hin, dass die Kontrollmechanismen funktionieren. Da es sich offenbar um zwei Einzelfälle zu handelt, scheint auch kein direkter Schaden entstanden zu sein», lässt Othmar Fischlin, Leiter Medieninstitut im Namen des VSM ausrichten. Verlegerpräsident Pietro Supino und Direktor Andreas Häuptli sind derzeit in den Sommerferien. 

Es sei im Interesse des Verlegerverbands, dass die Nutzerforschung von unabhängigen Gremien nach transparenten Methoden vorgenommen würde, sagt Fischlin weiter. Dies sei bei Netmetrix erfüllt. Es liege also an ihr, die Spielregeln festzulegen und allfällige Verstösse zu sanktionieren. Dazu gehöre auch, ob Namen von Sites, die gegen die Richtlinien verstossen und versuchen, Daten zu beeinflussen, publiziert werden.