Seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine im Februar 2022 erhalten die Menschen in Russland kaum mehr unabhängige Informationen. Die Arbeit für Journalistinnen und Journalisten im Land wird zunehmend schwieriger.
Zurzeit erfährt dies Ivo Mijnssen, Osteuropa-Korrespondent der NZZ, am eigenen Leib, wie der Blick berichtet. Über einen Bericht des Journalisten aus dem russisch besetzten Teil der Region Saporischschja zeigte sich die russische Botschaft in Bern demnach sehr erbost. In einer Medienmitteilung hat die russische Vertretung in Bern nun reagiert und ihn «auf die strafrechtlichen Bestimmungen» hingewiesen. Der Journalist wird darin namentlich genannt. Die Rede ist dabei von einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von fünf bis sieben Jahren, die den Journalisten bei einer Einreise in Russland erwarten könnte.
Die Arbeit des Journalisten ziele eindeutig darauf ab, «den Terrorismus zu rechtfertigen und Volksverhetzung zu fördern», heisst es in der Mitteilung der russischen Botschaft weiter.
Gegenüber dem Tages-Anzeiger nimmt die russische Botschaft wie folgt Stellung: «Wir erinnern die NZZ-Journalisten lediglich daran, dass sie trotz der Meinungsfreiheit in einem Rechtsstaat leben und sich an dessen gesetzlichen Bestimmungen orientieren sollten, die unter anderem die Unterstützung terroristischer Aktivitäten verbieten, worauf wir den geschätzten Journalisten hingewiesen haben.» Der Kommentar sei «keineswegs bedrohlich».
Es ist nicht das erste Mal, dass die russische Botschaft auf die NZZ-Berichterstattung reagiert. Vor ein paar Tagen hat sie sich in einem Brief an NZZ-Chefredaktor Eric Gujer an die Zeitung gewandt. Darin schreibt die russische Vertretung in Bern: «Offensichtliche Inkompetenz, gepaart mit bewusster Tatsachenverdrehung, sind leider zur ‹Visitenkarte› einiger Journalisten Ihrer Zeitung geworden, die sich auf russische und postsowjetische Themen spezialisieren.» Kritisiert wurde dabei ein Artikel von Ende März über die Umbenennung der moldauischen Sprache in Rumänisch. (wid)