"Schawinski ist kein Retter, sondern nur ein cleverer Schnäppchenjäger"

Radio 105 - Dani Büchi beschuldigt Roger Schawinski, Unwahrheiten zu verbreiten.

Der Kampf um Radio 105 ist noch nicht vorbei, obwohl Roger Schawinski vorerst den Zuschlag bekommen hat. Energy etwa gibt nicht auf. Der Ringier-Sender hatte beim Konkursamt ebenfalls ein Konzept eingereicht und prüft nun, ob er in der zweiten Runde sein Angebot erhöhen wird. Geschäftsleiter Dani Büchi beschuldigt im Interview mit persoenlich.com Roger Schawinski, in einer gezielten Kampagne Unwahrheiten zu verbreiten. Schawinski sei kein edler Retter, sondern habe bewusst auf den Konkurs spekuliert, um möglichst günstig an Radio 105 zu kommen.

Herr Büchi, Energy hat ebenfalls ein Konzept für die Übernahme von Radio 105 eingereicht. Sie wollen Radio 105 allerdings nicht weiterführen, sondern vor allem die Hörer übernehmen und damit einen der wichtigsten Konkurrenten ausschalten, schreibt die "Schweiz am Sonntag". Sind dies tatsächlich Ihre Pläne?
Nein, selbstverständlich nicht. Bei den entsprechenden Gerüchten handelt es sich offensichtlich um eine gezielte Kampagne von Roger Schawinski. Die "Schweiz am Sonntag" hat sich bedauerlicherweise als Sprachrohr von ihm instrumentalisieren lassen. Wir staunen aber, was Roger Schawinski alles in Bewegung gesetzt hat, um uns zu schaden. Sein Plan ist jedoch durchschaubar: Er scheint mit solchen unwahren Behauptungen einen unliebsamen Konkurrenten im Konkursverfahren um Radio 105 loswerden zu wollen. Es ist für Roger Schawinski enorm wichtig, dass er den Zuschlag für Radio 105 erhält und dementsprechend kämpft er mit allen, meiner Meinung nach eben auch mit zweifelhaften Mitteln dafür. Wir kennen sein Vorgehen jedoch bereits aus eigener Erfahrung. Als wir mit Energy um die Konzession kämpften, hat er die gleiche Taktik verwendet. Wir nehmen das sportlich.

Wie meinen Sie das?
Es ist kein Geheimnis, dass Radio 1 seit Jahren Verluste macht und auf dem Hörermarkt in einer schwierigen Situation ist. Man hat nun die Hoffnung, aus dem ebenfalls wirtschaftlich gescheiterten Radio 105 in Kombination mit Radio 1 ein erfolgreiches Radiokonstrukt bauen zu können. Roger Schawinski steckt mit seinen Radioaktivitäten bzw. seinen Verfahren in einer Sackgasse. Seit Jahren kämpft er im Aargau und in Graubünden um eine Konzession. Mittlerweile hat er sich in diesen Verfahren verstrickt und es gibt kaum mehr eine Möglichkeit, hier ohne Gesichtsverlust rauszukommen. Da kommt ihm diese Gelegenheit mit Radio 105 natürlich gerade recht. Er kann günstig ein Radio kaufen, diese Strategie hat er bereits einmal mit Radio Tropic gemacht, und kann danach als Retter verkünden, dass er nun zwei Konzessionen und deshalb gar kein grosses Interesse mehr an den Verfahren im Aargau und im Bündnerland hat. So kommt er aus der scheinbar ausweglosen Situation heraus und hat Hoffnung, mit zwei Radios eine bessere Marktposition zu erreichen. Das ist nachvollziehbar.

Energy sei der "Tötengräber von 105", so der Vorwurf. 
Der Vorwurf ist absurd und tendenziös. Dank dem Konzessionsdeal mit Energy vor vier Jahren und den dadurch für Radio 105 reichlich vorhandenen Mitteln hat sich der Sender auf dem Hörermarkt erfolgreich entwickelt und zur Belebung des Radiomarktes, vor allem in der jungen Zielgruppe, beigetragen.

Doch was genau haben Sie mit Radio 105 vor?
Wir haben gerade vor ein paar Wochen kommuniziert, dass wir in diesem Jahr noch ein sprachregionales Jugendradio auf DAB+ lancieren wollen. Aufgrund der aktuellen Situation von Radio 105 ergeben sich für uns interessante Möglichkeiten. Wir haben nun ein Angebot eingereicht, weil wir ein Konzept für einen konzessionsrechtlich zulässigen und nachhaltigen Betrieb von Radio 105 ausgearbeitet haben. Alles andere macht keinen Sinn.

"Es ist unethisch, für eine Konzession zu bieten, nur um einen unangenehmen Konkurrenten auszuschalten", sagt Roger Schawinski in der SaS. Ist dieses skrupellose Vorgehen nötig?
Das ist doch nicht unsere Absicht. Wir haben angeboten, zehn Mitarbeiter zu übernehmen. Sogar dieses Angebot verwendet Roger Schawinski gegen uns. Ihm scheint jedes Mittel recht, um uns nun ins schlechte Licht zu rücken. Erstaunlicherweise hätte aber gerade er den Sender vor dem Konkurs retten können. Das Dossier lag schon Monate auf seinem Tisch und er hatte mehrere Angebote, sich am Sender zu beteiligen. Wir vermuten, dass er bewusst auf den Konkurs des Senders spekuliert hat, um dann möglichst billig an die Konzession und die Marke 105 zu kommen und sich gleichzeitig als Retter und Piraten feiern zu lassen. Das kann und liebt er. Aber er ist kein Retter, sondern nur ein cleverer Schnäppchenjäger.

Was genau lief schliesslich falsch bei 105?
Radio 105 hat in den letzten Jahren einen hervorragenden Job gemacht und gehört zu den innovativsten Radios der Schweiz. Radio 105 war mit Energy und anderen Radios in vielen Punkten, wie zum Beispiel Webradio oder DAB+, Trendsetter bzw. Treiber. Die Hörer sind eine Community und die Mitarbeiter haben sich als kreative Macher bewiesen. Leider ist das Ganze wirtschaftlich nicht aufgegangen und deshalb muss man das Projekt jetzt neu aufgleisen. Der Spirit wird nicht mehr der Gleiche sein, egal wo und wie Radio 105 weitergeführt wird, das wird sich leider nicht ändern lassen. Ob Radio 1, ein Sender für Erwachsene, der nicht an DAB+ glaubt und keine Innovationen fördert, jedoch die beste Lösung für ein Radio ist, welches sich durch seine freche und frische Art, seine Innovationen und seine Vorreiterrolle bei DAB+ ausgezeichnet hat, wage ich stark zu bezweifeln.

Einige Ex-Mitarbeiter von Radio 105 sind attraktive Mitarbeiter für Energy. Inwiefern haben Sie bereits Kontakt mit Ihnen aufgenommen?  
Das Team von Radio 105 hat in den letzten Jahren hervorragende Arbeit geleistet. Wir haben mit diversen Mitarbeitern Kontakt aufgenommen, wenn dieser nicht eh schon bestand, und verschiedene interessante Gespräche geführt. Die Mitarbeiter sind umworben und wurden teilweise von verschiedenen Unternehmen kontaktiert.

Wurden bereits Ex-Radio-105-Mitarbeiter verpflichtet, resp. Verträge unterschrieben?
Ja, wir konnten erste Mitarbeiter für uns gewinnen.

Wen konnten Sie verpflichten?
Konkrete Namen wollen wir jetzt noch nicht nennen.

Nun hat aber Roger Schawinski vorerst den Zuschlag bekommen. Inwiefern ist Radio Energy weiterhin interessiert?
Roger Schawinski hat mitgeteilt, dass sein Konzept das Beste war und er deshalb den Zuschlag erhalten hat. Das ist natürlich falsch: Er hat nicht das beste Konzept eingereicht, sondern einfach am meisten geboten. Das ist ein grosser Unterschied. Wir warten nun die Publikation des Angebots von Radio 1 ab, analysieren dann die Situation neu und prüfen, ob wir nochmals mitbieten werden. Für uns und auch für die anderen Interessenten muss Radio 105 wirtschaftlich tragbar sein, sonst macht es keinen Sinn. Für Roger Schawinski geht es wie erwähnt um deutlich mehr.

Wie teuer kommt diese Übernahme zu stehen? Oder wie viel ungefähr muss ein Investor einschiessen können?
Die Tatsache, dass es mehrere Interessenten gibt, ist für die Gläubiger der Music First Network AG, dem Betreiber von Radio 105, natürlich ein positiver Effekt, weil damit mehr Geld gelöst wird, als wenn man nur einen Interessenten hat. Für die Investoren wird es dadurch sicherlich teurer. Man darf bei der ganzen Diskussion zudem nicht ganz ausser Acht lassen, dass ein Investor nicht nur für die Übernahme der Konzession und allfälliger Assets aufkommt, sondern auch den Betrieb sicherstellen muss. Radio 105 hat in den letzten Jahren mehrere Millionen Verlust gemacht und das ändert sich vorerst bei einer Übernahme durch einen neuen Investor nicht. Radio 105 ist vor allem an der schwierigen Vermarktungssituation gescheitert und diese ist auch nach einer Übernahme unverändert.

Interview (die Fragen wurden schriftlich gestellt): Edith Hollenstein, Bild: zVg