Schlechteste Dekade der Nachkriegszeit

Zeitungsbranche - Schuld ist gemäss Journalisten das Internet.

Die Zeitungsbranche steht am Ende des schlechtesten Jahrzehnts innerhalb der vergangenen 60 Jahre. Über die Dekade hinweg sind die Verkaufszahlen kontinuierlich und dramatisch gesunken. Im November 2000 beispielsweise kamen die zehn nationalen britischen Tageszeitungen gemeinsam auf 12'543'510 verkaufte Exemplare. Neun Jahre später liegt die Zahl bei nur noch 10'076'045 Stück, berichtet der "Guardian". Damit musste die Branche innerhalb eines Jahrzehnts ein Minus von knapp 20 Prozent verkraften.

Die überwiegende Mehrheit der Journalisten machte in den vergangenen Jahren in erster Linie das Internet dafür verantwortlich, dass es den gedruckten Zeitungen zunehmend schlecht geht. Auch die wachsende Verfügbarkeit von Information über Mobiltelefone habe negative Auswirkungen nach sich gezogen. Doch letztlich müssen die Ursachen wohl auch anderswo gesucht werden. Immerhin begann der Auflagenschwund noch bevor sich das Web durch die Breitbandverbreitung auf ein Massenpublikum ausgeweitet hatte.

Ein einzelner Grund für die ausgedehnte Medienkrise, die nicht zuletzt durch das eingebrochene Werbegeschäft zusätzlich verschärft wurde, lässt sich nicht festmachen. Denn die Ursachen für das nachgelassene Kaufinteresse an Zeitungen finden sich unter anderem auch in kulturellen Veränderung, gesellschaftlichem Wandel und veränderten Arbeitsbedingungen. Eine grosse Rolle spielen sowohl die mediale als auch soziale Fragmentierung. Beide Prozesse setzten lang vor dem Internet-Boom schon teils in den 80er-Jahren ein. (pte)