Schleichwerbung kein Einzelfall

ARD - Agentur vermittelt Werbung im redaktionellen Gewand.

Vergangene Woche wurde bekannt, dass in der ARD-Soap "Marienhof" mit Schleichwerbung gearbeitet wird. Die ARD-Produktionsfirma Bavaria Film hatte, wie Recherchen der Nachrichtenagentur epdergaben, zwei Münchener Privatfirmen über Jahre erlaubt, Schleichwerbung für den "Marienhof" zu akquirieren. Die PR-Botschaften der zahlenden Kunden oder deren Markenzeichen seien anschliessend von der Bavaria in die Bilder der Fernsehserie, teilweise sogar in Drehbuchdialoge eingebaut worden.

Dies ist scheinbar kein Einzelfall. Auch andere Fernsehsender und Werbekunden setzen auf "Programming “, das Unterwandern des redaktionellen Programmes mit Werbebotschaften, wie Der Spiegel nun berichtet. Vor allem die Pharmaindustrie erkaufe sich zunehmend redaktionelle Präsenz.

So habe eine Gütersloher Kommunikationsagentur einem grossen Pharmakonzern redaktionelle Beiträge in einem "Ratgeberformat auf n-tv “angeboten. Rund um die betreffende Krankheit sei ein "Experten-Talk mit Moderation “offeriert worden, der "über den Tag verteilt an prominenten Sendeplätzen, zum Beispiel nach dem n-tv-Wetter“ stattfinden könne. Die Themen würden "durch fundierte journalistische Reportagen transportiert“ und die Berichterstattung "durch Expertenaussagen “gestützt.

Aus Dokumenten, die dem Spiegel vorliegen, gehe hervor, dass die Produktions-und Ausstrahlungskosten "je nach Sendefenster “zwischen 245 und 700 Euro pro Minute betragen. Ein Manager des betroffenen Pharmakonzerns sagte auf Anfrage des Spiegels, dass er leicht an solche Angebote rankomme. Es sei kein Problem sie auch zu nutzen.

n-tv dementiert das. "Es gibt immer wieder Agenturen, die ohne unser Wissen und nicht in unserem Auftrag der Industrie solche Angebote machen“, sagt ein n-tv-Sprecher gegenüber dem Spiegel. Auch das ZDF sei bereits durch Geschäfte in der Grauzone aufgefallen. So habe sich das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium die Platzierung von Pfälzer Wein in der ZDF-Sendung "Sabine!“ 120'000 Euro Steuergelder kosten lassen.