In den US-Medien stösst der Entscheid der Schweiz, den Filmregisseur Roman Polanski nicht an Kalifornien auszuliefern, auf Unmut. Das Urteil des eidgenössischen Justizministeriums sei "legaler Unsinn". In den Medien kamen am Montag zumeist Kritiker des polnisch-französischen Regisseurs zu Wort. Das Nachrichtenmagazin Time titelte auf seiner Webseite "Schock: Die Schweizer lassen Polanski frei". Der Entscheid garantiere Polanski fast, dass er der Gefängnisstrafe für den Rest seines Lebens ausweichen könne, schliesst der Time-Artikel. "Das muss Polanskis glücklichster Tag sein seit 1978, als er es schaffte, aus dem Land zu fliehen, bevor ihn ein Richter wegen Sex mit einer 13-Jährigen verurteilte", schreibt der Kolumnist Steve Lopez der Los Angeles Times. Ein weiteres Mal werde der Regisseur durch "legalen Unsinn" gerettet. Die Schweizer Justiz machte in ihrem Urteil Mängel im US-Auslieferungsgesuch geltend.
Offiziell wollte den Schweizer Entscheid niemand kommentieren: Weder das Justizdepartement in Washington noch die Bezirksstaatsanwaltschaft in Los Angeles nahmen Stellung. Auch das Opfer Polanskis, die heute 45-jährige Sandra Geimer, schwieg bisher. Sie hat in der Vergangenheit um Einstellung des Verfahrens gebeten. Polanski gilt in den USA weiter als flüchtig. Laut Interpol ist ein internationaler Haftbefehl gegen den Filmer solange gültig, bis die USA beschliessen, den Fall einzustellen. Über die nächsten geplanten Schritte wollte die Sprecherin der Bezirksanwaltschaft in Kalifornien, Sandi Gibbons, keine Auskunft geben. (sda)